Während im Medienministerium über die große Zukunft des ORF beraten wird, legen die JUNOS mit einer klaren Forderung nach: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll sich stärker auf seine Kernaufgaben konzentrieren. Teure Unterhaltung und Sportrechte sollen nicht mehr über den verpflichtenden ORF-Beitrag finanziert werden.
"Ausgaben, Strukturen und Programmauftrag müssen konsequent auf den Prüfstand", fordert die stellvertretende JUNOS-Bundesvorsitzende Fabienne Lackner am Freitag. Konkret nehmen die JUNOS etwa große Unterhaltungsshows wie "Dancing Stars", eingekaufte Serien und kostspielige Sportübertragungsrechte ins Visier. Auch die Formel 1 führen die NEOS-Jugendlichen als Beispiel an.
"Junge Menschen fragen sich zu Recht, warum sie über den verpflichtenden ORF-Beitrag teure Sportrechte, große Unterhaltungsshows und Serienwiederholungen mitfinanzieren sollen, die ebenso gut private Anbieter bereitstellen können", so Lackner.
Die Forderung: Der öffentlich-rechtliche Auftrag soll klarer und enger definiert werden. Der ORF müsse sich stärker auf jene Aufgaben konzentrieren, die private Medien nicht in vergleichbarer Weise erfüllen könnten.
Gleichzeitig sprechen sich die JUNOS für weniger politischen Einfluss auf den ORF aus. Die redaktionelle Unabhängigkeit müsse gestärkt werden. Ein starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk sei für eine liberale Demokratie unverzichtbar, seine Stärke dürfe sich aber nicht an der Zahl teurer Unterhaltungsformate messen.
"Das Zukunftsforum darf nicht zur Selbstbestätigungsveranstaltung werden", warnt Lackner.
Die Wortmeldung kommt mitten in eine intensive Debatte über die Zukunft des größten Medienhauses des Landes. Am Donnerstag und Freitag findet auf Einladung von Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler (SPÖ) in Wien das zweitägige ORF-Zukunftsforum statt.
Rund 200 Teilnehmer aus Politik, Medien, Wissenschaft, Kunst, Kultur, Sport und weiteren Bereichen beraten dort über die geplante ORF-Gesamtreform. Diskutiert wird in fünf Arbeitsgruppen über Programm und öffentlich-rechtlichen Auftrag, Jugend und Medienkompetenz, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, die ORF-Strukturen sowie Kooperationen am österreichischen Medienmarkt.
Babler gab zum Auftakt bereits die Richtung vor. Sein Ziel sei ein schlankerer, digitalerer, transparenterer, unabhängigerer und bürgernäherer ORF. Generaldirektorin Ingrid Thurnher wiederum drängt auf mehr digitale Möglichkeiten für den Sender. Die Menschen sollten für ihre Haushaltsabgabe möglichst viel ORF bekommen. Außerdem pocht sie auf eine vorhersehbare Finanzierung.
Genau bei dieser Finanzierung gehen die politischen Vorstellungen derzeit weit auseinander. Die ÖVP brachte vor dem Zukunftsforum neben einer Reduktion der Haushaltsabgabe auch eine Finanzierung aus dem Bundesbudget ins Spiel. Babler sieht derzeit hingegen keinen Grund, das bestehende Finanzierungsmodell grundsätzlich zu ändern.
Auch die FPÖ fährt einen scharfen Kurs gegen den ORF-Beitrag und boykottiert das Zukunftsforum. Mediensprecher Christian Hafenecker bezeichnete die Veranstaltung als "Farce" und kritisierte unter anderem die Auswahl der Teilnehmer.
Konkrete Entscheidungen fallen beim Zukunftsforum noch nicht. Die Ergebnisse sollen vielmehr die Grundlage für die politische Arbeit an der angekündigten ORF-Gesamtreform bilden. Wann diese tatsächlich kommt, ist bisher offen.