Assistentinnen springen ein

Personalnot! Keine Kiga-Pädagoginnen für 260 Gruppen

Die Personalnot in den städtischen Kindergärten ist groß: Es fehlen 560 Elementarpädagoginnen, Assistentinnen dienen als Ersatz.
Christine Ziechert
27.05.2026, 14:42
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In den Wiener städtischen Kindergärten herrscht derzeit ein eklatanter Personalmangel. Laut MA 10 (Kindergärten) "werden rund 560 offene Dienstposten von Elementarpädagog*innen sowie 290 Inklusiven Elementarpädagog*innen verzeichnet". Die Betreuung sei dennoch gewährleistet, heißt es.

Bedeutet im Klartext: Für fehlende Pädagoginnen müssen Assistentinnen einspringen. So schreibt etwa eine Mutter aus Liesing auf Facebook, dass ihre Söhne einen städtischen Kindergarten besuchen: "In beiden Gruppen sind die zuständigen Pädagoginnen schon seit Monaten weg, und die Kinder werden seitdem nur noch von Assistentinnen betreut. Die Assistentinnen geben bestimmt ihr Bestes, aber ich habe das Gefühl, dass die Kinder nicht mehr richtig gefördert werden und diese wichtige Zeit einfach ungenutzt vergeht."

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260 Kiga-Gruppen ohne Pädagogin

Besonders brisant: Derzeit werden laut MA 10 rund 260 Kindergartengruppen von jeweils zwei Assistentinnen statt von ausgebildeten Elementarpädagoginnen betreut. Elementarpädagoginnen tragen die gruppenführende Hauptverantwortung für die pädagogische Planung und Umsetzung, Assistentinnen sollen sie dabei unterstützen.

Der Unterschied liegt in der Ausbildung: Elementarpädagoginnen absolvieren eine fünfjährige Ausbildung an einer Bildungsanstalt für Elementarpädagogik (BAfEP) oder ein Bachelorstudium an einer Pädagogischen Hochschule bzw. Fachhochschule. Assistentinnen besuchen hingegen meist eine dreijährige Fachschule für pädagogische Assistenzberufe oder spezielle (berufsbegleitende) Lehrgänge.

290 Sonder-Pädagoginnen fehlen

Auf "Heute"-Nachfrage erklärt die MA 10 dazu: "Die sogenannte Nachsicht ist ein wichtiger Bestandteil des Wiener Kindergartengesetzes, um sicherzustellen, dass die Kinder in den Kindergärten ausreichend und geeignet betreut werden. Nachsichten werden auf Gruppen ausgestellt, nicht auf Personen und sind erforderlich, wenn ausgebildetes Betreuungspersonal nicht ausreichend zur Verfügung steht."

Für Diskussion sorgt auch die Betreuung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Obwohl derzeit 290 inklusive Elementarpädagog*innen fehlen, betont die MA 10, dass die Betreuung (im verpflichtenden Kindergartenjahr 20 Wochenstunden) gewährleistet sei.

Bub durfte nur zwei Stunden in den Kiga

"Insbesondere Kinder mit erhöhtem Unterstützungsbedarf benötigen häufig eine lange Eingewöhnungsphase und eine enge Begleitung, um nachhaltig am pädagogischen Alltag teilhaben zu können. Für Kinder mit erhöhtem Unterstützungsbedarf führt die gesetzliche Vorgabe in der Praxis oft zu einer erheblichen Reizüberflutung und Überforderung. Hier bedarf es flexibler, am Kind orientierter Regelungen, um den realen Belastungsgrenzen der Kinder gerecht zu werden", heißt es dazu.

Für Aufsehen sorgte zuletzt der Fall eines Buben mit ADHS. Obwohl er im verpflichtenden Kindergartenjahr war, durfte er laut seiner Mutter nur zwei Stunden täglich im Kindergarten bleiben – statt der vorgesehenen vier Stunden, "und so ist es das ganze Jahr geblieben", berichtete die Mutter auf Ö1.

Viele Gründe für Fachkräftemangel

Der Kindergarten habe erklärt, dass die nötigen Ressourcen für eine längere Betreuung fehlen würden. In Wien fehlen laut Stadt derzeit mindestens 500 Plätze für Kinder mit Einschränkungen. Die Familie klagte daraufhin gemeinsam mit dem Klagsverband die Stadt Wien – am Ende kam es zu einem Vergleich – "Heute" berichtete.

Als Gründe für den generellen Personalmangel nennt die MA 10 unter anderem das Bevölkerungswachstum, steigende Bildungsanforderungen, Zuwanderung und den generellen Fachkräftemangel im elementarpädagogischen Bereich. "Dieser Mangel in der Elementarpädagogik betrifft nicht nur Wien, sondern ganz Österreich bzw. den europäischen Raum. Das Problem ist leider nicht neu", wird erklärt.

Schwerpunkt auf Quereinsteiger

Die Stadt verweist auf laufende Personalsuche, Jobmessen sowie Kooperationen mit AMS und waff. Zudem betreibe Wien mit der bafep21 eine eigene Ausbildungsstätte für Elementarpädagogik. Ein besonderer Schwerpunkt liege hier auf Quereinsteiger*innen, die mit Ausbildungsformaten wie dem Kolleg "Change" angesprochen werden sollen. "Um diesen Schritt zu erleichtern, wird die gesamte Ausbildung von der Stadt Wien finanziert sowie vom AMS und waff finanziell unterstützt", heißt es.

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