Peter Filzmaier will Impf-Lotterie, die weh tut

"Wir müssen alles probieren", appelliert Politikwissenschafter Peter Filzmaier.
"Wir müssen alles probieren", appelliert Politikwissenschafter Peter Filzmaier.HANS PUNZ / APA / picturedesk.com
Die Impfkampagne endet zum "ungünstigsten Zeitpunkt". Politologe Peter Filzmaier will deswegen dort hin, wo es weh tut.

Haben im Mai noch bis zu 150.000 Menschen pro Tag eine Impfung erhalten, so waren es am Sonntag nur noch 8.000. Eine Geschwindigkeit, mit der die Herdenimmunität wieder in weite Ferne rückt. Der Rechner von Pandemieende.at zeigt deswegen wieder ein Datum Mitte nächsten Jahres an. Obwohl die Pandemie bereits im März vom Bundeskanzler für beendet erklärt worden war.

Ebenso beendet gilt die Kampagne von "Österreich impft". Das, obwohl diese jetzt, wo so gut wie alle Impfwilligen geimpft wurden, erst so richtig ihre Wirkung entfachen hätte können. Jene Menschen, die sich bisher impfen ließen, waren ja schon überzeugt. "Das ist der ungünstigste Zeitpunkt, den man sich hätte aussuchen können", befindet auch Kommunikations-Expertin Nina Hoppe im Ö1-Frühjournal.

In den vergangenen Wochen und Tagen lag die Zahl der Neuinfektionen stets deutlich über einem Wert von 1.300 Fällen in 24 Stunden. Laut einigen Experten, darunter etwa die Dorothee von Laer, würden die jetzigen Corona-Maßnahmen nicht ausreichen, um eine neuerliche Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Schon jetzt sieht man, dass die Zahlen in den Spitälern wieder nach oben gehen. Fast alle Patienten sind dabei ungeimpft.

Impfpflicht statt Impfkampagne?

Wie also erreicht man Menschen, die sich bisher nicht impfen lassen wollten? Italien kündigte etwa an, eine Impfpflicht zu erlassen, wenn die Quote weiter unter 80 Prozent bleibt. Star-Politologe Peter Filzmaier hat im Ö1-Morgenjournal aber einen anderen Ansatz:  "Man müsste dort hin gehen, wo es weh tut." Er fragt sich, ob die Bundesregierung nicht kann oder nicht will.

Anstatt dass Sebastian Kurz i, ÖVP-Kernland Niederösterreich für die Impfung wirbt oder Mückstein sein Großteils bereits geimpftes Klientel in Wien-Neubau adressiert müsse man Blasen erreichen, in denen Menschen Impfskepsis haben. Also zum Beispiel bei FPÖ-Wähler.

Sommer wie 2020 statt Sommer wie früher

Das Problem: Der angekündigte "Sommer wie früher" würde sich als Fehlprognose herausstellen. Warum sollte man sich auch impfen lassen, wenn die Pandemie doch angeblich schon vorbei ist? "Jetzt eine Impfkampagne zu starten mit der Aussage 'Unsere eigenen Ankündigungen waren so nicht richtig', das will man vielleicht nicht", vermutet Filzmaier.

"Wir müssen alles probieren."

Nun gelte es, insbesondere in sozialen Medien vermehrt zu kommunizieren. Noch nicht versucht habe man bisher auch das System der Belohnungen. In den USA arbeitete man etwa mit Lotterien, weil man dort auch bereits Geimpfte mit einbeziehen kann. "Warum nicht in Pilotprojekten sinnvollere Verlosungen oder auch diese Lotterien versuchen?"

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