Ein neues Tech-Gadget sorgt für Aufregung: Die sogenannten Smart Glasses von Meta verwandeln laut Kritikern arglose Passanten zu unfreiwilligem Content. In die Brillen sind Kamera und Mikrofon eingebaut - nur ein winziges LED-Licht am Rahmen zeigt an, dass gerade gefilmt wird.
Das Zentrum für Digitalrechte und Demokratie sieht darin eine massive Gefahr für die Privatsphäre. Mit einer Petition will die Organisation die Bundesnetzagentur dazu bringen, gegen die "Spannerbrillen" vorzugehen.
"Big Tech-Unternehmen wie Meta tun alles dafür, unser Leben online umfassend zu überwachen", kritisiert Markus Beckedahl, Geschäftsführer des Zentrums, wie heise online berichtet. Er wolle nicht in einer Überwachungsdystopie leben, "in der die ganze Zeit überall heimlich eine Kamera auf mich gerichtet wird".
Die Digitalrechtler verweisen auf einen Präzedenzfall: 2017 verbot die Bundesnetzagentur die Kinderpuppe "My Friend Cayla", weil sie heimlich mithören konnte. "Bei einer Brille, die heimlich mitfilmt, schaut sie bisher zu", kritisiert Beckedahl diesen Widerspruch.
Besonders Frauen seien betroffen: Ihre Bilder würden ohne Einwilligung gefilmt und landeten später im Netz - oder in sogenannten Nudify-Apps, wo KI-Software sie digital entkleidet. Doch auch andere Situationen sind problematisch: ob betrunken auf der Party, in Badesachen im Schwimmbad oder stolpernd auf der Stiege.
Meta dominiert den Markt für Kamerabrillen mit einem Anteil von über 70 Prozent. Weltweit wurden bereits mehr als sieben Millionen Smart Glasses verkauft. Auch Google und Apple arbeiten an eigenen Produkten.
Zuletzt hatte auch der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Thomas Fuchs vor den heimlichen Kameras gewarnt und ein Verkaufsverbot ins Spiel gebracht. Die Petition richtet sich neben der Bundesnetzagentur auch an Bundesjustizministerin Stefanie Hubig, um Rechtslücken zu schließen.