Der Österreicher Alexander Peya spielt am Sonntag um Österreichs dritten US-Open-Titel im Herren-Doppel nach Julian Knowle (2007) und Jürgen Melzer (2011). Mit dem Finaleinzug bestätigte der Weltranglisten-Dritte und sein unmittelbar hinter ihm auf Platz vier liegender brasilianischer Partner Bruno Soares eindrucksvoll ihre heuer so starke Form. Die Chance auf den Titelgewinn ist zudem nun größer als ursprünglich zu erwarten gewesen war, geht es doch nicht gegen die US-Zwillinge Bob und Mike Bryan.
Die Rekord-Grand-Slam-Sieger (15 Titel) verpassten durch die Dreisatzniederlage im Halbfinale gegen den Tschechen Radek Stepanek (8) und den Inder Leander Paes (9) nicht weniger als einen lupenreinen Grand Slam, von dem sie nach dem Gewinn heuer der Australian Open, French Open und Wimbledon nur noch zwei Matchsiege entfernt gewesen waren. Es wäre der erste Doppel-Grand-Slam seit 62 Jahren gewesen, als dies die 1951 die Australier Ken McGregor/Frank Sedgman geschafft hatten.
"Realistisch gesehen wird so etwas nie wieder passieren", sagte Mike Bryan nach der Niederlage. "Die Unterschiede zwischen den besten Doppel-Paaren sind heutzutage so gering. Da kann schnell etwas schiefgehen." Bob hatte sich mit der historischen Marke vor Augen in New York diesmal nicht so wohlgefühlt. "Ich konnte schon ein paar Wochen nicht richtig gut schlafen." Mike erklärte daraufhin, dass ihm der mögliche Grand Slam auch schon ewig im Kopf herumgegeistert war.
Peya ein wenig traurig über verpasstes Duell
"Natürlich war es eine Überraschung, dass die Bryans ausgeschieden sind", sagte Peya nach dem Finaleinzug unter dem Eindruck der heuer erlittenen Niederlagen gegen das US-Duo. "Nachdem wir jetzt viermal von den Bryans eins auf die Mütze bekommen haben, wären wir sicher nicht als Favoriten ins Endspiel gegangen. Es wäre einerseits schön gewesen, gegen sie in Amerika zu spielen, wo sie um den Grand Slam gespielt hätten. Das wäre von der Atmosphäre sensationell gewesen. Aber so ist es auch gut."
Paes/Stepanek bezeichnete er als grandioses Doppel. "Das haben sie bei den letzten Grand Slams gezeigt." Vor allem Paes lobte der Wiener in höchsten Tönen. "Was den Doppelinstinkt angeht, ist er sicher der Beste von allen überhaupt." Allerdings haben Peya/Soares beim Asiaten Schwächen entdeckt. "Die versuchen wir auszunutzen. Wir haben einmal gegen sie gespielt und gewonnen. Es wird da keine Überraschungen geben, wir wissen, was da auf uns zukommt. Es ist ein absolutes 50:50-Match."
Paes ist ein Grand-Slam-Experte
Ein Vorteil von Paes/Stepanek ist, dass sie Grand-Slam-Finalerfahrung haben. Besonders die Routine des 40-jährigen Paes ist unbezahlbar. Von seinen 52 Doppel-Titeln hat er sieben auf Grand-Slam-Ebene geholt. Dabei hat er schon 1999 in Wimbledon und Roland Garros zugeschlagen. Gemeinsam mit dem 34-jährigen, 16-fachen Doppel-Turnier-Gewinner Stepanek triumphierte er bei den Australian Open 2012. Peya unbeeindruckt. "Wir werden uns gut drauf vorbereiten und unser Bestes geben."
Ein Spiel wie jedes andere wird es für Peya und den 31-jährigen Soares aber nicht sein. "Damit muss man versuchen, umzugehen. Wir haben generell im letzten Jahr eine gute Reise hingelegt", erläuterte Peya. "Man hat gemerkt, als wir unser erstes Masters-Finale in Indian Wells gespielt haben, dass wir beide da noch ziemlich nervös waren. Aber wir sind immer über diese Hürden rüber gekommen. Und ich denke, dass wir jetzt auch so erfahren sind und als Team, dass uns das hoffentlich nicht so viel ausmachen wird."
Bestplatzierter Doppelspieler
Der Erfolgslauf des 33-Jährigen ist indes auch außerhalb der Tennis-Welt registriert worden. So wurde Peya für die Wahl von "Wiens Sportler des Jahres" mit Fußballer David Alaba und Wasserspringer Constantin Blaha in die Top drei gewählt. Der Titel ging am Mittwoch an Alaba. Nun ist Österreichs im ATP-Ranking bestplatzierte Doppelspieler aller Zeiten aber noch eine Stufe weiter als bisher gekommen. "Es ist gut, dass wir jetzt zwei Tage Pause haben, um es zu verarbeiten und uns so gut wie möglich vorbereiten."
Von ihrer grundsätzlichen Art her ist nicht zu erwarten, dass Peya/Soares die Nerven wegwerfen. "Wir sind beide lockere und positive Typen und harmonieren sehr gut", sagte Peya. Es sei situationsabhängig, wer das Ruder übernimmt. "Manchmal fühlt sich der eine besser, dann der andere. Danach richten wir uns dann. Es ist ein Wechselspiel zwischen uns." Die zwei freien Tage bis zum Endspiel wollte Peya u.a. damit verbringen, sich die noch laufenden Matches anzuschauen.
Gratulationen zum Finaleinzug gingen bei Peya naturgemäß etliche ein, auch von Knowle und Melzer. Peya: "Alle haben sofort gratuliert, das freut mich. Jürgen hat das auch schon alles erlebt, und ich hoffe, ich kann es ihm nachmachen. Und Julian hat auch hier gewonnen. Vielleicht ist es das Glücks-Grand-Slam für die Österreicher."
APA/red