"Ich hatte endgültig genug"

"Pfandmonster" schuld – letzter Greißler wirft Handtuch

Gernot Geppl (51) schloss im niederösterreichischen Fahrafeld seinen Lebensmittelladen. Mit Kritik spart er nicht, auf ihn kamen immer neue Hürden zu.
Niederösterreich Heute
13.02.2026, 05:45
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"Aus, vorbei, Schluss nach 75 Jahren. Mein Vater und meine Mutter standen jahrzehntelang im Laden, dann übernahm ich das Geschäft. Es war ein Ort der Begegnung, wir kannten alle unsere Stammkunden und ihre Bedürfnisse. Immer wieder war etwas los zu Anlässen, wie zum Beispiel im Advent oder im Fasching. Der Ort war lebendig, heute wird es immer stiller", so Gernot Geppl nachdenklich.

Er war der letzte Greißler im Ort Fahrafeld, ein kleiner Ort bei Kasten, einige Kilometer von Böheimkirchen entfernt. Gernot Geppl warf Ende des Jahres 2025 endgültig das Handtuch, letzte Warenbestände sind noch zum Aktionspreis zu haben.

Als Geppl im Jahr 2024 von der bevorstehenden Pfandflaschenpflicht erfuhr, gab der 51-Jährige auf. "Ich erinnere mich noch, es war im Frühjahr 2024, so ein Automat hätte zig Tausend Euro gekostet. Oder wahlweise ein Sack, was aber schwierig wäre, mit Etikettierung, Lagerung, Logistik und vor allem auch die Diebstahlsgefahr. Nur da hatte ich endgültig genug von der Sekkiererei. Zum Beispiel während der Coronapandemie bekam ich nichts, weil ich neben dem Geschäft noch eine Tankstelle und einen kleinen Imbiss hatte", so Gernot Geppl nicht ohne Wut.

"2020 haben wir schließlich verkleinert"

Mit 1. Mai 1950 sperrte man das Lebensmittel-Gemischwarengeschäft in Fahrafeld 15 auf, jahrzehntelang führten die Eltern Franz und Josefa die Geschäfte. "Wir waren ein Spar und ein Nah und Frisch und 2020 haben wir schließlich verkleinert. Es geht nur noch um Gewinnmaximierung und sonst um nichts mehr – als kleiner Händler bist du nichts wert", so Geppl.

Die "Sekkiererei" begann schon vor Jahren: "Es begann mit der Registrierkassenpflicht vor zehn Jahren. Da ich auch einen Imbiss betrieben habe, musste ich extra die Kassa mit einem Imbiss-Eingabeknopf umbauen. Aber eben in der Pandemie wurde auf mich wegen des Imbiss vergessen."

"Für jeden Unsinn ist Geld da"

Sogar am vorletzten Öffnungstag, am 29. Dezember 2025, kamen noch Monopolkontrolleure. "Da kommen extra junge Menschen, die volljährig aussehen, aber es nicht sind. Und die wollen dann Zigaretten oder Alkohol kaufen. Und wer bezahlt diese Kontrollen: Ja genau wir", schüttelt Geppl den Kopf. "Für jeden Unsinn ist Geld da, aber die hart arbeitenden Menschen müssen schauen, wo sie bleiben. Die Nahversorger in den kleineren Ortschaften sterben aus, du musst dann ein Auto haben, um den Einkauf erledigen zu können. Aber kein Wunder, überall Mjam, Apps, Mäcis, kaum ein junger Mensch plant mehr seine Einkäufe. Hauptsache schnell und billig", so Geppl.

1990: Geppl, damals 16 Jahre alt, als Lehrling
privat

"Was wir mitgemacht haben als kleine Händler! Wir haben unser Leben lang sehr hart gearbeitet. Und heute sperrt ein Greißler und ein Wirtshaus nach dem anderen zu. Leider stirbt damit auch der Zusammenhalt einer Ortschaft aus", sagt auch Geppl senior.

Heute verdient Gernot Geppl sein Geld als selbstständiger Forstunternehmer. "Das mache ich schon lange Zeit, weil nur mit dem Geschäft wäre ich nicht über die Runden gekommen."

Scharfe Kritik der Freiheitlichen

FPÖ Niederösterreich-Landesparteiobmann und LH-Stellvertreter Udo Landbauer erfuhr vom Schicksal und kennt die Problematik: "Das ideologiegetriebene Pfandmonster der Bundesregierung war für einige Greißler der Todesstoß, wie man sieht. Dieses Pfandsystem ist ein überteuerter Murks, der nicht nur das altbewährte Sammel- und Recyclingsystem torpediert, sondern Konsumenten, Nahversorger und den Handel mit Bürokratielasten und Zusatzkosten überzieht."

Udo Landbauer, LH-Stellvertreter Niederösterreich
Sabine Hertel

Und weiter: "In Wahrheit handelt es sich um ein Prestigeprojekt, das niemand braucht. Und wir als FPÖ stehen als einzige Partei felsenfest für die Wirtshauskultur, für den Erhalt der Traditionen und Werte – nur ohne Wirte oder Greißler geht der Zusammenhalt in einer Ortschaft leider verloren. Diese Regierung dreht den Kleinen das Licht ab und zerstört traditionelle Familienbetriebe."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 13.02.2026, 14:32, 13.02.2026, 05:45
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