Der Konflikt zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern in der Gastro- und Hotelleriebranche nimmt weiter an Schärfe zu. Nachdem vida-Chef Roman Hebenstreit in der ZiB2 seine umstrittenen Aussagen verteidigt und der Branche eine Mitschuld an den aktuellen Problemen gegeben hatte, meldet sich nun ein weiterer prominenter Branchenvertreter zu Wort.
Gerold Royda, Wirtesprecher in Oberösterreich und selbst Teil des Verhandlungsteams für die Kollektivvertragsgespräche, platzte am Sonntag der Kragen. In einem rund zweieinhalb Minuten langen Facebook-Video attackiert er Hebenstreit frontal.
Dessen Auftreten bezeichnet Royda als "absolut letztklassig" und wirft ihm vor, keine Ahnung von der Realität im Tourismus zu haben. "Das lasse ich mir nicht gefallen", so Royda, der selber Wirt ist und ein Hotel betreibt.
Besonders stößt ihm auf, dass Hebenstreit der Branche pauschal Steuerhinterziehung, nicht bezahlte Überstunden, das Kassieren von Corona-Förderungen sowie das "Zwischenparken" von Mitarbeitern beim AMS vorwirft. "Sich hinzusetzen und zu sagen, ich bin der große Vertreter des Tourismus, habe aber selber in der Branche noch nie gearbeitet – spannend", sagt Royda sichtlich verärgert.
Auch den Begriff der Sozialpartnerschaft nimmt der Wirtesprecher aufs Korn. Wer so argumentiere, könne nicht ernsthaft von Zusammenarbeit auf Augenhöhe sprechen. Für Royda ist klar: "Mit so einer Argumentation und so einer Umgangsform – wie soll das gehen?"
Besonders irritiert ihn, dass Hebenstreit selbst gar nicht am Verhandlungstisch sitzt, aber dennoch den Ton angibt. "Wir nehmen uns Zeit, gehen von den Betrieben weg – und dann erklärt uns einer die Welt, der nicht einmal da ist", so Royda.
Die von Hebenstreit ins Spiel gebrachte Idee eines Gütesiegels für faire Betriebe wischt der OÖ-Wirtesprecher ebenfalls vom Tisch. Das sei realitätsfremd und gehe an den tatsächlichen Problemen vorbei. Die Branche lasse sich weder pauschal schlechtreden noch von jemandem ohne Branchenerfahrung Vorschriften machen.
Royda betont hingegen, dass es in Österreich viele verantwortungsvolle Unternehmer und engagierte Mitarbeiter gebe. Pauschale Vorwürfe würden nur weiter Öl ins Feuer gießen und eine Lösung in den KV-Verhandlungen noch schwieriger machen.