Während die Regierungsspitze am Dienstag verspätet in die Klausur gestartet ist, gibt es bereits heftige Kritik an zuletzt kolportierten Maßnahmen. So soll ja zur Senkung der Preise in der Gastronomie unter anderem eine verpflichtende "Billig-Speise" auf der Karte von Lokalen im Gespräch sein.
Von Regierungsseite wollte das am Dienstag im Vorfeld der Klausur niemand offiziell bestätigen. Die Gastronomie ist trotzdem schon alarmiert.
"Österreich verzeichnet seit Jahren eine Inflationsrate deutlich über dem EU-Durchschnitt und liegt im europaweitem Spitzenfeld. Wer diese Entwicklung ernsthaft bekämpfen will, muss sich dringend mit ihren Ursachen auseinandersetzen – hohen Energiepreisen, hohen Arbeitskosten durch Lohnnebenkosten und einer überbordenden Bürokratie", sagt Alois Rainer, Obmann des Fachverbandes Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Er hat wenig Verständnis für Vorschläge wie ein "staatlich verordnetes Sparmenü". "Symbolpolitik ersetzt keine strukturellen Maßnahmen."
Die österreichische Gastronomie sei breit aufgestellt und biete seit jeher ein vielfältiges Angebot, vom leistbaren Mittagstisch bis zur gehobenen Küche. "Was es nicht braucht, sind zusätzliche Vorgaben, die an Planwirtschaft erinnern", sagt Rainer. "Unsere Betriebe reagieren längst verantwortungsvoll auf die wirtschaftliche Lage ihrer Gäste."
Die heimische Gastronomie stehe seit Jahren unter massivem Kostendruck: "Wir Wirte sind die ersten, die von steigenden Preisen betroffen sind. Darauf müssen wir reagieren, denn Preissteigerungen sind keine Willkür, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit." So müsse jeder Wirt steigende Löhne, Pacht, Wareneinkauf, Energie, Investitionen und Rücklagen finanzieren. "Gleichzeitig zeigen unsere Erhebungen klar: Über 90 Prozent der Gastronomen haben ihre Preise nicht im Ausmaß der tatsächlichen Kostensteigerungen erhöht."
Die Betriebsergebnisse seien über alle Betriebstypen hinweg seit 2019 rückläufig. Besonders belastend seien die hohen Arbeits- und Energiekosten sowie der bürokratische Aufwand, betont der Gastro-Obmann: "Gastronomen verbringen im Schnitt rund zehn Stunden pro Woche mit administrativen Tätigkeiten – Zeit, die im Betrieb und für die Gäste fehlt."