Österreichs Industrie gerät immer stärker unter Druck – Hauptursache dafür sind die Strompreise, die hierzulande deutlich höher sind als in anderen Ländern, was die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Unternehmen gefährdet.
Die Grünen gehen jetzt in die Offensive, werfen der Regierung Tatenlosigkeit vor und fordern einen Industriestrompreis, der energieintensive Unternehmen tatsächlich entlastet. Konkret wollen sie für heimische Betriebe einen Strompreis von fünf Cent pro Kilowattstunde. Im Vorjahr lag der reine Strompreis für die Industrie bei rund 15 Cent.
"Unsere Industrie ist das Rückgrat unseres Wohlstands – und diese Regierung schaut zu, wie hohe Strompreise Betriebe und Jobs unter Druck bringen", empört sich Grünen-Chefin und Klubobfrau Leonore Gewessler.
Die Forderung nach Industriestrom für fünf Cent hat auch die Industriellenvereinigung bereits lanciert. Hier sind Grüne und Industrie also einmal auf einer Linie.
"Wenn Strom für die Industrie in Österreich jetzt doppelt so teuer ist wie zum Beispiel in Deutschland, kann niemand ernsthaft so tun, als wäre das normal", so Gewessler: "Ein Industriestrompreis ist der Schritt, der österreichische Betriebe und Jobs spürbar entlasten kann und faire Wettbewerbsbedingungen schafft.“
„Wenn Strom für die Industrie in Österreich jetzt doppelt so teuer ist wie zum Beispiel in Deutschland, kann niemand ernsthaft so tun, als wäre das normal.“Leonore GewesslerGrünen-Chefin
Die Grünen argumentieren, Österreichs Industrie könne langfristig nur bestehen, wenn sie sich von fossilen Energien löst. Doch dafür brauche es die richtigen Rahmenbedingungen: Strom müsse deutlich günstiger sein als Gas – damit der Umstieg auf klimafreundliche Produktion auch finanzielle Vorteile bringe.
"Es ist absurd, dass ausgerechnet jene Betriebe noch mehr zur Kasse gebeten werden, die in klimafreundliche Produktion investieren", stellt Gewessler klar. Wer klimafreundlich produziere, dürfe nicht bestraft werden. Die Grünen-Chefin sagt an: "Mit einem Industriestrompreis können wir saubere Produktion zum knallharten Wettbewerbsvorteil in Österreich machen."
Der Plan hat allerdings einen Preis: Die Grünen schätzen die jährlichen Kosten eines Industriestrompreises von fünf Cent auf rund 400 Millionen Euro. Finanziert werden könne das durch die Abschaffung klimaschädlicher Subventionen wie das Dienstwagen- und Dieselprivileg. Dadurch würden "umweltschädliche Fehlanreize" beendet und gleichzeitig könnten Betriebe entlastet und Jobs gesichert werden.
Günstiger Strom bedeute nicht nur kurzfristige Entlastung, sondern auch Planungssicherheit, betonen die Grünen. Für viele energieintensive Branchen könne das entscheidend sein – gerade in Zeiten, in denen internationale Konkurrenz und Produktionskosten stark steigen.
Der extremen Belastung der heimischen Betriebe durch die hohen Energiekosten wurde seitens der Regierung bisher mit der Wiedereinführung eines Industriestrom-Bonus begegnet – konkret insgesamt je 75 Millionen Euro für 2025 und 2026. Für das Vorjahr wird der Bonus rückwirkend zu beantragen sein.
Mit dieser Förderung sollen energieintensive Betriebe (jährlicher Stromverbrauch von über einer Gigawattstunde) Unterstützung gegen die hohen Stromkosten erhalten. Der Bonus zielt speziell auf die indirekten Kosten durch Emissionszertifikate ab; es geht also nicht um eine Strompreissenkung. 80 Prozent der Förderung müssen reinvestiert werden, die Hälfte davon in Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz.
Die Problematik der hohen Energiekosten ist laut "Heute"-Informationen auch wesentlicher Bestandteil der neuen Industriestrategie, welche die Regierung derzeit fertigstellt und noch im Jänner präsentieren will.