Löst Christian Kern Andreas Babler an der Spitze der SPÖ ab? Rund um die Feiertage hatte diese mögliche Rochade viel politischen Staub aufgewirbelt. Auch Umfragen wiesen zuletzt für den Ex-Bundeskanzler deutlich bessere Werte aus als für den aktuellen Vizekanzler.
"Heute" fragte bei Meinungsforscher und Polit-Experten Peter Hajek nach, für wie realistisch er diesen Wechsel und eine allfällige Kampfabstimmung hält. Der erinnert an das Jahr 2023. "Damals hat die SPÖ diskutiert, ob Pamela Rendi-Wagner oder Hans Peter Doskozil die Partei anführen sollen. Und bekommen haben sie dann Andreas Babler. Und das bei einem Parteitag, der von vorne bis hinten ein Fiasko war."
Daher müsse jetzt das oberste Ziel sein, in der Außenwirkung geeint aufzutreten. "Sagen wir: Man einigt sich im Parteivorstand auf den kleinsten gemeinsamen Nenner und lässt einen Gegenkandidaten zu. Geeint heißt aber nicht, 26 Stimmen, das müsste schon Richtung Einstimmigkeit gehen."
Setzt sich dann tatsächlich der Gegenkandidat durch, sieht Hajek eine Hürde: "Was ist der Gegenkandidat dann? Ohne Mandat, ohne Regierungsfunktion. Und bis zur nächsten Wahl 2029 sind es noch drei Jahre. Die Person, die Andreas Babler ablöst, braucht also eine Funktion, die ihr eine politische Bühne bietet, am besten ein Regierungsamt."
Aber: Babler verliert bei einer Abwahl nicht automatisch sein Vizekanzleramt. "Wenn Babler nicht weichen will, weicht er nicht", so Hajek. "Das heißt aber nicht, dass man nicht trotzdem mit einem Wechsel an der Parteispitze einen Kandidaten einsetzt, der mehr Menschen anspricht als Babler."
Und genau das traut der Meinungsforscher Christian Kern zu: "Mit Kern hätte die SPÖ aktuell mehr Chancen als mit Babler." Es gebe zwar derzeit wenig belastbares Zahlenmaterial. "Aber das, was bisher vorliegt, zeigt, dass es auch innerhalb der SPÖ-Wählerschaft Unzufriedenheit mit der aktuellen Parteiführung gibt", sagt Hajek.
Das hat auch eine Umfrage von ihm für "Heute" im Dezember gezeigt. Da haben gleich 37 Prozent der SPÖ-Wähler Kern als besseren Parteichef bezeichnet als Babler. Hajek: "Und das eröffnet Chancen für den ehemaligen Parteichef. Ob er dann die Kiste auf den Boden bringt, ist eine andere Frage.“