4,8 Mrd. € Schattenwirtschaft

Pfuscher-Paradies NÖ – im Bundes-Ranking auf Platz 3

Im niederösterreichischen Baugewerbe und Handwerk erreicht die Schattenwirtschaft Rekordwerte, wie aktuelle Berechnungen zeigen.
Aram Ghadimi
01.03.2026, 06:00
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

"Ein bisserl was geht immer" – mit diesen geflügelten Worten ging Monaco Franze (gespielt von Helmut Fischer) aus der gleichnamigen Kultserie Mitte der 1980er in die deutschsprachige Fernsehgeschichte ein. Gäbe es den Ausspruch nicht schon, hätte man ihn erfinden müssen – und zwar für ein österreichisches Problem: Überall im Land wird fleißig gepfuscht. Dem Staat entgehen dadurch Millionenbeträge. Heuer steht allerdings ein neuer Rekord bevor.

Neuer Rekord erwartet

Gegenwärtig ist Pfusch auf dem Weg zu einem neuen Höchstwert, angetrieben durch die Inflation und die schwache Wirtschaftslage. Das geht aus einem Bericht des ORF hervor. Im Vorjahr erreichte Österreichs Schattenwirtschaft demnach ein Volumen von rund 40 Milliarden Euro. Das entspricht 7,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das BIP misst die Produktion aller Waren und Dienstleistungen in Österreich in einem Jahr. Schätzungen zufolge könnten bald 8 Prozent davon durch Schwarzarbeit entstehen.

Bau, Handwerk, Gewerbe und Dienstleistungen

Wie die Berechnungen von Ökonom Friedrich Schneider zeigen, wird in Niederösterreich am meisten im Bereich Baugewerbe und Handwerksbetriebe gepfuscht. Schneider, der am Institut für Volkswirtschaftslehre der Johannes Kepler Universität in Linz forscht, hat alleine für diesen Sektor ein Volumen 1,86 Milliarden Euro berechnet.

Ähnlich viel wird laut den Untersuchungen auch in den sonstigen Gewerbebetrieben und bei haushaltsnahen Dienstleistungen gepfuscht. Hierzu zählen etwa das Friseurgewerbe, Jobs in der Nachhilfe oder Babysitter-Jobs. Hier beläuft sich die Schattenwirtschaft in Niederösterreich auf 812 Millionen Euro, heißt es in einer Studie, die dem ORF vorliegt.

Und auch bei Gewerbe- und Industriebetrieben (Kfz, Maschinen) sowie in Dienstleistungsbetrieben (Hotels und Gaststätten) liegt das Ausmaß des Pfuschs bei 765 Millionen Euro. Die Unterhaltungs- und Vergnügungsbranche kommt indes auf 573 Millionen Euro.

NÖ auf Platz 3

Im österreichweiten Vergleich belegt Niederösterreich hinter Wien und Oberösterreich den dritten Platz. Der Anstieg des Pfuschs hängt mit der Inflation, steigender Arbeitslosigkeit, geringem Wachstum und den seit 2025 geltenden Budgetsparmaßnahmen zusammen. Im Jahr 2025 wurde der Pfusch in Niederösterreich mit 4,57 Milliarden Euro beziffert. Heuer dürften es 4,8 Milliarden werden – ein voraussichtliches Plus von 4,5 Prozent.

"Staat und Sozialversicherungsträger verlieren"

Am meisten verlieren dabei der Staat und die Sozialversicherungsträger, sagt Schneider. Er spricht von Steuer- und Sozialversicherungsbeitragsausfällen zwischen 2 und 3,5 Milliarden Euro. Die Steuerverluste würden allerdings abgemildert, da das im Pfusch verdiente Geld großteils wieder in der offiziellen Wirtschaft ausgegeben werde.

Auch die Unfall- und Krankenversicherungen zählen zu den Verlierern. Sie müssen die höheren Kosten durch zusätzliche Unfälle oder Arbeitsunfähigkeit der Pfuscher tragen.

Schneider rät, dass Bund und Länder Maßnahmen gegen die wachsende Schattenwirtschaft setzen sollten. Drei Vorschläge bringt er ein: Die Wiedereinführung des Handwerkerbonus von 2.000 Euro pro Haushalt und Jahr, die Senkung der Lohnnebenkosten und die Wiedereinführung der kalten Progression. Angesichts budgetärer Knappheit wohl die eine oder andere Überlegung wert.

{title && {title} } agh, {title && {title} } Akt. 01.03.2026, 10:22, 01.03.2026, 06:00
Jetzt E-Paper lesen