Austrianer ist, wer es trotzdem bleibt: Schon der Wiener Literat Friedrich Torberg beschrieb die Leidensfähigkeit des Austria-Anhangs. Wie tief sitzt der Schmerz nach der Titel-Pleite? Heute wollte es genau wissen und wartete im Fan-Shop im zweiten Bezirk auf den ersten Anhänger. Mehr als eine Stunde kam niemand, dann Phil Turner aus Australien.
„Vielleicht müssen sie zwei, drei Tage auf den ersten Fan warten“, grinst der Shop-Mitarbeiter kurz nach neun Uhr. Vor exakt zehn Stunden ist der Titeltraum der „Veilchen“ geplatzt.
Punkt 10.13 Uhr betritt ein junger Mann mit Riesen-Rucksack den Laden. Er geht vorbei an Austria-Gartenzwergen und greift bei einem Schal zu. Das Modell: „Forever Austria“.
Warum macht das ein Fan am Tag nach der Titelpleite? „Ich bin aus Australien“, erzählt Phil Turner (28). 16.100 Kilometer ist er von Sidney angereist, um das Liga-Finale gegen Salzburg zu sehen. „Die Stimmung war top. Jetzt will ich ein Erinnerungsstück an das Spiel.“ Turner wird sich auch in Italien und Kroatien Matches anschauen. „Mit der Austria werde ich auch in Zukunft mitfiebern.“
Turner geht, im Fanshop in der Praterstraße kehrt wieder Ruhe ein. Die Meister-Shirts liegen im Lager bereit. Sie werden aber nie in Verkauf gehen.
Martin Huber