Pluto galt bisher als einer der wenigen erforschten Himmelskörper, auf denen noch keine Erdrutsche eindeutig nachgewiesen werden konnten. Eine neue Untersuchung ändert das nun grundlegend.
Forscher haben hochauflösende Aufnahmen der NASA-Sonde New Horizons erneut ausgewertet und dabei sechs riesige Erdrutsche entdeckt. Sie liegen an den Innenwänden von drei Einschlagkratern in der Nähe von Sputnik Planitia, Plutos großer Ebene aus Stickstoffeis.
Einer der Erdrutsche befindet sich im Coughlin-Krater, zwei weitere wurden im Giclas-Krater gefunden. Drei liegen in einem bisher nicht benannten Krater. Auf den Aufnahmen erkennst du deutliche Abrisskanten, verschobene Gesteinsblöcke und große, zungenförmige Ablagerungen.
Die Dimensionen sind gewaltig: Das Material stürzte zwischen 1,5 und 2,2 Kilometer in die Tiefe. Die Geröllmassen legten dabei Strecken zwischen 10,1 und 14,5 Kilometern zurück. Einzelne Rutschflächen bedecken bis zu rund 130 Quadratkilometer.
Was die Hänge ins Rutschen brachte, ist noch unklar. Denkbar sind Einschläge von Meteoriten, tektonische Bewegungen, Eisvulkanismus, Temperaturschwankungen oder Wärme aus dem Inneren des Zwergplaneten.
Bei einem der Erdrutsche gibt es allerdings einen konkreten Verdacht. Ein jüngerer Einschlagkrater könnte den Rand des Coughlin-Kraters erschüttert und dadurch den Hang destabilisiert haben.
Auch die gefrorenen Stoffe auf Pluto könnten eine Rolle spielen. Stickstoff, Kohlenmonoxid und Methan verdampfen und gefrieren im Lauf der Jahreszeiten immer wieder. Dadurch könnten sich die Eigenschaften des Untergrunds verändern.
Die Bilder stammen vom Vorbeiflug der Sonde New Horizons im Jahr 2015. Da die Auflösung begrenzt ist, gehen die Forscher davon aus, dass auf Pluto noch weitere Erdrutsche verborgen sein könnten.
Die sechs entdeckten Rutschungen dürften also erst der Anfang sein – für neue, schärfere Bilder wäre allerdings eine weitere Mission zu Pluto nötig.