Als ich Chris Brown im Februar bei der Pokémon-Europameisterschaft in London gegenübersaß, wirkte er für einen kurzen Moment fast verträumt. Der Director of Global Esports and Events erzählte mir von seiner großen Vision: Pokémon eines Tages im Wembley-Stadion.
90.000 Menschen, die den besten Pokémon-Spielern der Welt zujubeln.
Verrückt? Vielleicht. Doch nur wenige Monate später wirkt dieser Traum schon ein gutes Stück weniger unrealistisch.
Vom 28. bis 30. August finden in San Francisco die Pokémon-Weltmeisterschaften 2026 statt. Mehr als 3.000 qualifizierte Spieler werden laut Pokémon erwartet. Gespielt wird zunächst im Moscone Center – doch für den großen Finaltag zieht Pokémon um.
Und zwar dorthin, wo normalerweise Basketball-Superstar Stephen Curry mit den Golden State Warriors um Siege kämpft: ins Chase Center. Pokémon selbst bezeichnet den Sonntag bereits als den "größten Championship Sunday" der bisherigen Geschichte. Die Arena bietet deutlich mehr Sitzplätze, eine große Bühne und eine entsprechend aufwendige Finalshow.
Es ist ein bemerkenswerter Schritt.
Noch 2025 erlebte ich die Weltmeisterschaft in Anaheim. Schon damals tobten Tausende Fans bei Attacken und entscheidenden Spielzügen, als würde gerade das entscheidende Tor eines Fußball-WM-Finales fallen.
In London wurde mir dann endgültig bewusst, welche Dimension Pokémon mittlerweile erreicht hat. Bei den European International Championships waren im Februar mehr als 7.000 Teilnehmer vor Ort.
Brown erklärte mir damals auch, was hinter so einem Turnier steckt. Tausende Matches müssen organisiert und überwacht werden. Bei Pokémon GO und den Videospielen darf die Internetverbindung nicht zusammenbrechen. Ein technischer Ausfall könnte ganze Bewerbe lahmlegen.
Und trotzdem will Pokémon größer werden.
San Francisco wird der nächste Schritt. Drei Tage lang kämpfen die besten Spieler in Pokémon-Sammelkartenspiel, Videospiel, Pokémon GO und Pokémon UNITE um Weltmeistertitel.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um Pokale und Ruhm: Der gesamte Preispool beträgt mehr als zwei Millionen US-Dollar.
Gleichzeitig wird aus der WM erstmals ein noch größeres Fan-Festival. Parallel findet PokémonXP statt. Damit sollen nicht mehr nur jene angesprochen werden, die jedes Meta kennen oder selbst um einen WM-Titel spielen. San Francisco soll zum Treffpunkt für die gesamte Pokémon-Welt werden.
Brown rechnet rund um das Wochenende mit 70.000 Fans in San Francisco. Eine Zahl, die verdeutlicht, wohin die Reise gehen soll.
Als wir in London über die Entwicklung sprachen, erinnerte er sich an die WM 2022. Auch die fand in der britischen Hauptstadt statt. Nur vier Jahre später reichten die Dimensionen von damals längst nicht mehr aus.
Und dann erzählte er von Wembley.
Damals musste ich bei der Vorstellung noch ein wenig schmunzeln. 90.000 Pokémon-Fans in einem Fußballstadion? Pikachu auf den riesigen Leinwänden, während unten zwei Spieler um den Weltmeistertitel kämpfen?
Nach London und vor allem mit Blick auf San Francisco klingt das plötzlich gar nicht mehr so absurd.
Denn Pokémon feiert 2026 seinen 30. Geburtstag – und offenbar wird das Franchise jetzt so richtig "erwachsen".
Der nächste Halt ist das Chase Center. Danach vielleicht wirklich Wembley.