Ein Streit um den Sportplatz sorgte in Kappl (Tirol) für einen außergewöhnlichen Zwischenfall im Gemeinderat. Bei der Sitzung am 25. Juni musste die Polizei ausrücken, nachdem sich ein Zuschauer trotz mehrfacher Aufforderung nicht beruhigen ließ – das berichtet die Tiroler Tageszeitung (TT).
Die Sitzung befand sich bereits beim Tagesordnungspunkt "Anträge, Anfragen, Allfälliges", als Bürgermeister Helmut Ladner über einen Dringlichkeitsantrag eines betroffenen Grundeigentümers zur Sportplatzproblematik informierte. Laut Gemeinderatsprotokoll erklärte der Bürgermeister, dass für den Antrag kein Rechtstitel bestehe. Außerdem sei das Thema bereits im März und April ausführlich behandelt worden.
Daraufhin meldete sich der unter den Zuhörern sitzende Grundeigentümer ungefragt zu Wort, so die TT. Nach Angaben von Anwesenden entwickelte sich eine lautstarke Auseinandersetzung mit dem Bürgermeister. Dieser forderte den Mann mehrfach auf, sich zu beruhigen oder den Saal zu verlassen. Ohne Erfolg.
"Wenn jemand aufgeheizt ist und explodiert, ist es schwierig sachlich zu bleiben", schilderte ein Gemeinderat die Situation.
Schließlich wurde die Sitzung unterbrochen. Während ein Teil der Mandatare im Saal blieb, verließ der Bürgermeister mit anderen Gemeinderäten den Raum. In weiterer Folge wurde laut TT die Polizei verständigt.
Darum geht es im Streit
Thema ist der Sportplatz in Kappl, der teilweise auf dem Grundstück des betroffenen Grundeigentümers liegt. Seit Jahren wird über die Zukunft des Areals gestritten. Ende April lief der Pachtvertrag aus. Innerhalb von sechs Monaten müssen die Anlagen rückgebaut werden. Eine Einigung ist derzeit nicht in Sicht. "Jetzt haben wir es soweit, dass die Gemeinde Kappl keine Tennis- und Fussballklubhütte mehr hat", sagte der Grundeigentümer. Für ihn sei die Angelegenheit erledigt.
Als die Beamten eintrafen, hatte sich die Lage allerdings bereits beruhigt. Der öffentliche Teil der Sitzung wurde fortgesetzt und beendet. Die Zuhörer verließen anschließend den Saal, auch der betroffene Grundeigentümer.
"Ich habe doch niemandem etwas getan, ich hab ja nur lauter geredet", schilderte der Mann den Vorfall. Als der Bürgermeister angekündigt habe, die Polizei zu rufen, habe er nur geantwortet: "Hol sie!" Als die Beamten eintrafen, sei er bereits vor dem Gebäude gestanden und habe sie mit den Worten begrüßt: "Ich bin der, den ihr abholen müsst." Dazu kam es jedoch nicht.
Die Polizei bestätigte, dass ein Einschreiten nicht mehr notwendig gewesen sei. Der Bürgermeister hätte wegen Ordnungsstörung eine Privatanzeige erstatten können, verzichtete darauf jedoch.
Der Bürgermeister wollte den Vorfall laut TT nicht weiter kommentieren und setzte auf Deeskalation. Er bestätigte lediglich, dass sich eine anwesende Person nicht habe beruhigen lassen. Eine derartige Situation habe es in seinen 23 Jahren als Bürgermeister noch nie gegeben.