Die britische Polizei hat im Zuge der Ermittlungen gegen den Labour-Politiker Peter Mandelson, der mit dem verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein befreundet war, zwei Gebäude durchsucht. Die Hausdurchsuchungen fanden laut Polizei am Freitag in Wiltshire im Südwesten Englands sowie im Londoner Stadtteil Camden statt.
Mandelson, ehemaliger Botschafter in Washington, steht im Verdacht, vertrauliche Regierungsinformationen an Epstein weitergegeben und Geld von ihm angenommen zu haben.
Die Metropolitan Police erklärte, die Durchsuchungen hätten im Zusammenhang mit "den laufenden Ermittlungen gegen einen 72-jährigen Mann" wegen des Vorwurfs eines Fehlverhaltens im Amt stattgefunden. Der Mann sei nicht festgenommen worden und die Ermittlungen dauerten an, hieß es weiter.
Letzte Woche veröffentlichte Epstein-Dokumente brachten ans Licht, dass Mandelson zwischen 2008 und 2010 als Minister unter Premier Gordon Brown vertrauliche Finanzdaten der Labour-Regierung an Epstein weitergegeben haben soll.
Die Polizei startete daraufhin am Dienstag die Ermittlungen. Ex-Premier Brown erklärte, er habe der Polizei "relevante Details" zur Weitergabe von "für die Finanzmärkte wichtigen Informationen" und "vertraulichen Regierungsinformationen" durch Mandelson an Epstein übermittelt. Brown warf Mandelson ein "unentschuldbares und unpatriotisches" Verhalten vor.
Der Fall setzt auch den britischen Premierminister Keir Starmer unter Druck. Starmer hatte Mandelson Anfang des Vorjahres zum US-Botschafter ernannt und ihn nach den damaligen Epstein-Enthüllungen im September wieder entlassen. Schon damals wurden mehrere E-Mails von Mandelson an Epstein bekannt.
In der vergangenen Woche veröffentlichte das US-Justizministerium weitere Dokumente zu Epstein, der weltweit in höchsten Kreisen vernetzt war und jahrelang Minderjährige und junge Frauen missbraucht hatte. Laut diesen Unterlagen soll Mandelson Anfang der 2000er-Jahre mehrfach Geld von Epstein bekommen haben. Weitere Dokumente belegen Überweisungen von Epstein an Mandelsons Lebenspartner Reinaldo Avila da Silva. Mandelson war jahrelang Minister in Labour-Regierungen und EU-Handelskommissar.
Starmer gab am Mittwoch zu, er habe gewusst, dass Mandelson trotz Epsteins erster Verurteilung 2008 weiterhin Kontakt zu ihm hatte. Über das Ausmaß der Verbindung sei er aber nicht informiert gewesen. Mandelson habe laut Starmer mehrfach gelogen, um seine Stellung in Washington zu behalten.
Am Donnerstag entschuldigte sich Starmer bei den Opfern von Epstein für die Ernennung Mandelsons. Einen Rücktritt schloss der Premier allerdings aus. Mandelson legte inzwischen seinen Sitz im britischen Oberhaus zurück und trat aus der Labour-Partei aus.