Polizei kontrolliert keine Abstände mehr am Donaukanal

Die Wiener Polizei geht nun hart gegen die wilde Party-Szene am Donaukanal vor. Doch die Corona-Abstandsregeln stehen nicht im Fokus der Beamten.

Seit etwa zwei Wochen tummeln sich an den Abenden tausende junge Wiener am Donaukanal und machen ihn zum angesagtesten Party-Hotspot der Bundeshauptstadt. Allerdings kommt es unter den feiernden Gästen immer wieder zu Streitigkeiten, die im Anschluss nicht selten mit Fäusten geregelt werden. Aber nicht nur die Straftaten beschäftigen die Wiener Polizei, auch die enorme Lärmbelästigung ist ein großes Problem. Anrainer beschweren sich täglich über laute Musik und grölende Jugendliche, die sie bis in die frühen Morgenstunden nicht einschlafen lassen. 

Aufgrund der wachsenden Schwierigkeiten am Donaukanal greift die Polizei nun gemeinsam mit der Gruppe Sofortmaßnahmen (Stadt Wien) hart durch. Seit Mittwochabend werden bei gezielten Schwerpunktaktionen die feiernden Wiener kontrolliert und wenn nötig auch angezeigt. Allein in der Nacht auf Donnerstag kam es wieder zu Schlägereien, Diebstählen und Lärmbelästigungen – "Heute" berichtete. 

Party beginnt erst ab 22 Uhr

"Heute" beschloss, sich an der Partymeile selbst ein Bild zu machen und begleitete die Polizei bei der Schwerpunktaktion in der Nacht auf Donnerstag. Die eigentliche Party ging aber erst nach der Sperrstunde um 22 Uhr so wirklich los. Während die Jugendlichen auf der Innenstadt-Seite des Donaukanal-Ufers entspannt etwas tranken, ging gegenüber so richtig die Post ab. Über den Köpfen der Menschenmasse kreiste immer wieder der Polizeihubschrauber.

Zu später Stunde wurde aus den mitgebrachten Boxen laut Musik abgespielt. Entlang des Treppelwegs bildeten sich Gruppen, die sich je nach Musikgeschmack zusammenstellten und feierten – von Techno bis Reggae war alles zu hören. Im Gespräch mit "Heute"gaben die jungen Wiener preis, dass sie durch die immer noch gesperrten Discotheken am Donaukanal feiern würden: "Zuhause ist es nicht so lustig und hier trifft man wenigstens ein paar Leute." Die meisten von ihnen zeigten sich über die erhöhte Polizeipräsenz froh. "Wir fühlen uns hier wohl", erzählte eine Gruppe von Studentinnen im "Heute"-Talk. 

Drogen und Vandalismus

Der Manager des "Tel Aviv Beach", Anis Hassen, war über die Gastro-Öffnungen naturgemäß überaus erfreut. Die frühe Sperrstunde würde den Gästen aber alles andere als gefallen. "Die Leute verstehen oftmals nicht, dass nicht wir die Regeln nicht machen. Wir müssen schlichtweg um 22 Uhr schließen. Das führt oft zu Diskussionen", so Hassen gegenüber "Heute". Der 37-Jährige stellte aber auch eine große Veränderung der Klientel selbst fest.

"Wir merken immer wieder, wie außerhalb unseres Lokals offensichtlich mit Drogen gedealt wird. Die Kundschaft am Donaukanal hat sich auf jeden Fall geändert. Das war früher anders", meint er. Vandalismus ist auch für ihn als Lokalbetreiber ein großes Thema: "Wir können hier nicht jeden Abend alles mit Gittern absperren. Aufgrund der Zerstörungen in den letzten Tagen sehen wir uns gezwungen, nun eine Security-Firma anzustellen." 

Abstands-Kontrollen "nicht mehr verhältnismäßig"

Polizeisprecher Markus Dittrich stellte gegenüber "Heute" klar, dass bei den Schwerpunktaktionen vor allem auf Körperverletzungen, Diebstähle und Lärmbelästigungen geachtet werde. Auf die Frage, ob die Mindestabstände von 2 Metern weiterhin kontrolliert werden würden, gab es eine überraschende Antwort.

"Die Corona-Verordnung sieht vor, dass hier die Exekutive mit Augenmaß vorgehen soll und das tut die Wiener Polizei. Aus epidemiologischer Sicht wäre die Durchsetzung der Mindestabstände hier am Donaukanal derzeit nicht verhältnismäßig", so Dittrich gegenüber "Heute". 

Polizist durch Flaschenwurf verletzt

Am besagten Abend wurde laut Pressesprecher Marco Jammer ein Beamter in seinem Dienst schwer verletzt. Ein Mann warf eine Glasflasche von einer Brücke am Donaukanal und traf dabei einen Polizisten am Kopf. Gegen 00.30 Uhr wurden zudem zwei 19-Jährige von einer Gruppe Jugendlicher attackiert und bestohlen. Die 19-Jährigen erlitten leichte Verletzungen im Gesichtsbereich. 

Insgesamt kam es in der Nacht auf Donnerstag in der Wiener Innenstadt zu 32 Anzeigen, davon 3 strafrechtliche, 28 verwaltungsrechtliche und eine nach dem Verbotsgesetz. Eine kleine Menge Drogen konnte sichergestellt werden, genauso wie vier illegale Musikboxen. Des Weiteren gab es 5 Organstrafmandate und 123 Identitätsfeststellungen.

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