Polizei zog Schuhe in Moschee nicht aus – Eskalation

Am Freitag kam es zu einem Großeinsatz bei einer Wiener Moschee.
Am Freitag kam es zu einem Großeinsatz bei einer Wiener Moschee.Leserreporter
Am Freitag kam es zu einem Großeinsatz bei einer Wiener Moschee. Augenzeugen behaupten, warum der Einsatz ihrer Ansicht nach eskalierte.

In einem Gebetshaus im 15. Wiener Gemeindebezirk kam es am Freitag zu einem Großeinsatz der Wiener Polizei. Gläubige trafen sich zum gemeinsamen Gebet in der Moschee, ein Augenzeuge vor Ort wählte den Polizeinotruf, weil angeblich die Covid-19-Schutzmaßnahmen nicht eingehalten wurden: Den Moschee-Besuchern wird vorgeworfen, den Mindestabstand nicht eingehalten zu haben und keine FFP2-Masken getragen zu haben. Die Polizei rückte gemeinsam mit der Gesundheitsbehörde an. 

Polizei sagt, Personen vor Ort wären aggressiv gewesen

Über den genauen Ablauf des Vorfalls scheiden sich die Geister. Die Wiener Polizei schreibt in einer Stellungnahme, die betroffenen Personen haben sich bei der versuchten Kontaktaufnahme der Beamten aggressiv verhalten. Ein Besucher, der selbst vor Ort war, erzählt im Gespräch mit "Heute" eine andere Geschichte. Er geht davon aus, dass die Eskalation des Einsatzes andere Motive hatte. 

Polizei wollte mit schmutzigen Schuhen auf Gebetsteppiche steigen

"Ich war in der Moschee beten, als der Einsatz passierte. Wir waren keine 100 Personen sondern nur ungefähr 60 und haben uns an die Corona-Regeln gehalten. Dann tauchten zwei Polizisten auf und wollten in die Moschee hinein, wogegen wir nichts hatten. Wir baten sie, die Schuhe auszuziehen, damit sie nicht mit den dreckigen Straßenschuhen auf unsere Gebetsteppiche steigen. Sie weigerten sich. Wir boten ihnen einen Überzug für die Schuhe aus dem Baumarkt an. Auch das verweigerten sie", berichtet der "Heute"-Leser Youssef. 

"Man sollte jede Religion respektieren. Die Polizisten vor Ort hatten aber kein Verständnis dafür. Es waren zwei junge Beamte, sie ließen die Situation sofort eskalierten und forderten Verstärkung an. Dann wollte man uns nicht aus der Moschee lassen und kontrollierte die Ausweise von allen Anwesenden."

SPÖ-Gemeinderat: "Es wäre etwas Feingefühl gefragt gewesen"

Auch der Wiener Gemeinderat Omar Al-Rawi (SPÖ) meldete sich auf Social Media zum Vorfall zu Wort. Er berichtet, Videos bekommen zu haben, auf denen deutlich zu sehen ist, dass die Corona-Regeln in der Moschee eingehalten wurden. Er schreibt, mit etwas Feingefühl wäre vielleicht kein solcher Einsatz notwendig gewesen: "Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass ein Polizist im Einsatz oder in Ausübung seines Berufes nicht seine Schuhe einfach ausziehen kann. Jedoch war keine Gefahr in Verzug und das Überziehen der Schuhe mit einem Überzug, um den Gebetsraum zu betreten, wäre doch ein Kompromiss gewesen, oder?"

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