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Pöltl vor NBA-Start: "Bin besser als vor einem Jahr"

Heute Redaktion
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Jakob Pöltl geht mit den Toronto Raptors in seine zweite NBA-Saison. Der 22-jährige Center über seine Ziele, die Konkurrenz und Proteste bei der US-Hymne.

Frage: Jakob, wie ist die Preseason gelaufen?



Jakob Pöltl: "Ganz gut! Die ersten Spiele waren nicht so toll, aber wir haben uns grundsätzlich von Spiel zu Spiel verbessert. Gegen Detroit und auch gegen Chicago hat es schon ganz ordentlich ausgesehen. Wir sind auf einem guten Weg, aber wir haben doch gröbere Veränderungen in unseren Offensiv-Prinzipien vorgenommen, da kann man nicht erwarten, dass alles schon perfekt läuft. 30 Assists wie in den letzten beiden Spielen waren schon ziemlich gut, so stellen wir uns das in etwa vor.

Die Veränderungen betreffen in erster Linie die Ballbewegung?



"Ja, der Ball soll nicht so lange auf einer Position gehalten werden. Wir wollen zum Beispiel mit Dribblings zum Korb ziehen, den Ball wieder hinauspassen und auf die andere Seite schwingen. Ziel ist, die Defense in Bewegung zu halten und die entstehenden Räume zu nutzen. Wir haben ja genügend Spieler, die individuell gut genug sind, um ihren Verteidiger zu schlagen und einen Vorteil herauszuholen."

Im ersten Testspiel bist du nur am Ende als dritter Center ins Spiel gekommen. War das ein kleiner Schock?

"Ich war schon überrascht. Nach meinen Leistungen im Camp habe ich mir schon gedacht, zumindest vorerst die Position des ersten Centers hinter Jonas Valanciunas inne zu haben. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass das Trainerteam von vornherein im ersten Spiel Lucas Nogueira und im zweiten dann mich länger auf dem Spielfeld einsetzen wollte. Die zweite Partie gegen die Clippers ist leider nicht gut gelaufen, für mich und das ganze Team. Danach habe ich aber gute Leistungen in den Trainings und den weiteren Preseason-Spielen gezeigt und auch viel Spielzeit bekommen. Ich hoffe und denke also, zu Beginn der Regular Season erster Backup-Center zu sein."

Du hast in den letzten Spielen sehr souverän und robust gewirkt.



"Ich bin im Abschluss sicher besser als vor einem Jahr. Ich merke, dass ich selbstbewusster und zielstrebiger Aktionen setze und vielleicht auch weniger nervös bin als in der Rookie-Saison."

Wie haben sich die neuen Spieler bislang präsentiert?



"Mit C.J. Miles haben wir einen wirklich starken Werfer bekommen, der uns mit seinen Qualitäten sehr weiterhelfen wird. Er ist wichtig für unsere neue Offense. Mit OG Anunoby sind wir recht flexibel, er hat auch auf der Power-Forward-Position eine gute Figur gemacht. Allgemein ist zu sagen, dass wir eine sehr junge Bank haben und die Jungen viel Verantwortung tragen werden."

In der Nacht auf Freitag geht die Regular Season mit einem Heimspiel gegen Chicago los. Etwas kurios, da ihr das letzte Preseason-Spiel ebenfalls gegen die Bulls bestritten habt.



"Ich freue mich darauf, dass es endlich wieder losgeht. Ja, das ist etwas ungewöhnlich, beide Teams können sich daher vielleicht besser auf den Gegner vorbereiten als sonst. Preseason und Regular Season sind aber zwei verschiedene paar Schuhe, am Freitag waren zudem beide Teams nicht vollzählig. Auf dem Papier sind wir sicher Favorit und wir wollen natürlich einen guten Saisonstart hinlegen, möglichst mit zwei Heimsiegen."

Wie schätzt du die Situation im Osten ein, nachdem du die anderen Teams in der Preseason etwas verfolgen konntest?



"Die starken Teams sind wahrscheinlich stärker geworden, mit Milwaukee und Washington wachsen weitere Konkurrenten heran. Andererseits sind einige Teams aus dem hinteren Mittelfeld wohl auch etwas schwächer geworden. Cleveland bleibt für alle das Team, das es zu schlagen gilt."

Werden auch die Raptors besser sein als im letzten Jahr?



"Das muss sich erst zeigen. Die Voraussetzungen sind auf jeden Fall da. Ich hoffe, wir können unsere Vorhaben umsetzen, dann werden wir auch gute Resultate liefern."

Ein großes Thema in den Profi-Ligen bleiben die Proteste beim Abspielen der US-Hymne. Wie stehst du dazu?

"Grundsätzlich unterstütze ich die Proteste. Ich bin zwar kein US-Bürger und lebe auch nicht dort, aber durch die Teamkollegen und dadurch, dass ich viel Zeit in den USA verbringe, fühle ich mich involviert. Denn dass in den USA etwas falsch läuft, ist klar. Vor allem die NFL-Spieler nützen Bekanntheitsgrad und Status, um öffentlich darauf aufmerksam zu machen. Das ist durchaus ihr Recht und es macht auch Sinn, denn es muss sich etwas ändern. Wir bei den Raptors haken die Arme ein, das ist kleines Solidaritätszeichen."

(red. )