Popper über Corona-Chaos: "Wieder nicht vorbereitet"

Niki Popper
Niki PopperRoman Zach-Kiesling / First Look / picturedesk.com
Simulationsforscher Niki Popper kritisiert, dass die österreichische Politik keine Strategie bezüglich der Öffnungsschritte kommuniziert hat.

Am 5. März wurden in Österreich die Corona-Maßnahmen beendet. Kaum geöffnet, explodieren auch schon die Corona-Zahlen. Am Donnerstag gab es in Österreich mit 49.432 Neuinfektioneneinen neuen Rekordwert. Auch am Freitag wurden erneut fast 50.000 Fälle gemeldet.

Über 200.000 Neuinfektionen in fünf Tagen

Insgesamt verzeichnete Österreich seit Montag 203.642 Corona-Neuinfektionen. Auch bei der 7-Tages-Inzidenz wurde ein neuer Rekordwert erreicht. Laut AGES liegt der Wert bei 2.822,3.

Während Experten bereits die Wiedereinführung der Corona-Maßnahmen fordern, erklärte das Gesundheitsministerium, dass neuerliche Verschärfungen kurz nach der weitgehenden Öffnung der Bevölkerung "nicht vermittelbar" wären.

Simulationsforscher Niki Popper sieht für den enormen Anstieg der Corona-Neuinfektionen zwei Gründe: Zum einen die Aufhebung der Maßnahmen, zum anderen die Omikron-Subvariante BA.2. Deren Ausbreitung habe sich nach hinten verschoben und die Zahl derer, die sich infizieren können, sei noch nicht ausgeschöpft.

Ziel der Öffnungsschritte nicht klar kommuniziert

Er kritisiert, dass von der Politik das Ziel der Öffnungsschritte nicht klar kommuniziert wurde. "Wir wussten, dass wir da nicht so schnell runterkommen. Es war nicht davonauszugehen, dass die Zahlen sinken", so Popper im "Ö1-Mittagsjournal".

Ein großes Thema seien die Masken. Expertinnen und Experten hätten "schon damals gesagt, es ist nicht ganz einzusehen, warum das jetzt ohne Not so dringend ist, die Masken aufzuheben."

Die Politik hätte kommunizieren müssen, dass sie den Dingen nun freien Lauf lassen. "Aber die Frage ist ja, wie gehe ich mit den Problemen um? Die Ausfälle in den Spitälern, Long Covid oder Menschen mit kleinen Kindern", kritisiert der Experte. Man sei in eine Situation gestolpert, "wo wir ein weiteres Mal nicht optimal vorbereitet waren."

Gesamtstrategie fehlt

Von großen Clustern sind derzeit Schulen und Pflegeeinrichtungen betroffen. In Kirchstetten (NÖ) gibt es in einem Pflegeheim 112 Corona-Fälle. Nicht-dringende Operationen werden bereits wieder verschoben. In Wien gab es diese Woche bei der Belegung auf den Normalstationen ein Rekordhoch mit über 600 Patienten.

"Das Werkl passt nicht ganz zusammen, ich frage mich: Was ist die Gesamtstrategie bezüglich Maßnahmenlockerungen, Teststrategie und Quarantäne Policy? Da fehlen die Vorschläge, die wir als Wissenschaft bewerten können", so Popper. Das Sinken der Zahlen werde laut seinen Angaben lange Zeit in Anspruch nehmen.

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