Potapova ist in Madrid nicht zu stoppen. Doch das schaffte die gebürtige Russin, die seit Jänner für Österreich spielt, erst im zweiten Anlauf. Potapova scheiterte nämlich ursprünglich in der Qualifikation für das WTA-1000-Turnier an Landsfrau Sinja Kraus, rückte erst als Lucky Loserin ins Hauptfeld nach, weil Madison Keys erkrankt absagte. So hatte Potapova ein Freilos in Runde eins und setzte dann zu ihrem Sensationslauf an.
Sie besiegte Jelena Rybakina (Kasachstan), die Welt-Nummer-Zwei, und am Mittwochabend auch Karolina Pliskova aus Tschechien, einst die Nummer eins der Welt, kämpfte sich in drei Sätzen ins Halbfinale. Dort wartet nun Marta Kostyuk aus der Ukraine – ein Duell mit Brisanz.
Denn seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs im Frühjahr 2022 weigert sich Kostyuk konsequent, russischen und belarussischen Spielerinnen nach Tennis-Duellen am Netz die Hand zu schütteln. Eigentlich ist das Abklatschen ein Zeichen der sportlichen Fairness, gängige Praxis bei allen Tennis-Matches. Doch mehrere ukrainische Spieler und Spielerinnen weigern sich, mit Kontrahenten aus Russland oder Belarus abzuklatschen.
So auch mit Potapova, die zwar seit Jänner 2026 unter österreichischer Flagge spielt, allerdings gebürtige Russin ist und bis Ende 2025 auch als Russin auf der WTA-Tour antrat. Die heute 25-Jährige ist bisher auch nicht mit kritischen Aussagen zu ihrem Geburtsland aufgefallen.
Deshalb hat es in den vier Duellen zwischen Potapova und Kosyuk auf der WTA-Tour seit 2023 keinen Handschlag gegeben. Auch nicht beim bisher letzten Aufeinandertreffen vor einem Jahr, ebenso in Madrid. Das erste Aufeinandertreffen zwischen Kostyuk und Potapova gab es in Miami 2023 – das erste Duell gleich ohne Handschlag. "Es gibt da eine Spannung. Wir sind keine Freundinnen. Wir sind im Krieg im Moment", sagte Kostyuk vor drei Jahren über ihr Verhältnis zu Potapova.
Diese hatte wiederum einige Wochen später für Aufregung gesorgt, als sie sich vor ihrem Spiel gegen die US-Amerikanerin Jessica Pegula in Indian Wells in einem Trikot des Fußballvereins Spartak Moskau ablichten ließ. Dafür kassierte Potapova damals eine formelle Verwarnung vonseiten der WTA. Dies sei "weder akzeptabel noch angemessen" gewesen. Die gebürtige Russin rechtfertigte sich damals, dass sie Fan des Fußballvereins sei, seitdem sie 13 Jahre alt ist.
Das Auftaktspiel in Indian Wells hatte Potapova damals ausgerechnet gegen Kostyuk gewonnen. Auch damals ging die Ukrainerin einfach zu ihrem Stuhl und verweigerte den Handschlag. "Ich habe es erwartet. Es ist offensichtlich ihre Entscheidung. Ich nehme es so hin, dass ich hier bin, um Tennis zu spielen, und um einige andere Dinge zu vergessen", sagte Potapova nach dem Duell 2023.
Heute Abend, im fünften Duell der beiden Tennisspielerinnen, droht zum fünften Mal ein Handschlag-Aufreger. Los geht es um 21.30 Uhr.