Der Burkini-Streit um ein Pongauer Hotel schlägt weiter hohe Wellen. Zwei Schwestern aus Oberösterreich fühlen sich diskriminiert, weil ihnen wegen ihrer Ganzkörperbadeanzüge der Zugang zum Pool verweigert wurde. Wie berichtet, beschäftigt der Fall sogar das Salzburger Landesverwaltungsgericht.
Dabei zeigt sich: Während manche Hotels Burkinis kritisch sehen, sind sie in vielen Bädern überhaupt kein Thema. Im Gegenteil – dort sorgen eher knappe Badehosen für Diskussionen.
Jasmina und Boshra A. waren im Oktober des Vorjahrs für einen Kurzurlaub angereist. Erst wollten sie schwimmen, danach wandern gehen. Doch an der Rezeption kam es zum Eklat. Als eine der Frauen erwähnte, noch ihren Burkini aus dem Auto zu holen, hieß es plötzlich: kein Zutritt zum Pool.
"Das Hotel hatte ich extra ausgesucht, weil es gute Bewertungen hatte und vor allem wegen des Pools", sagte Boshra A. Die Hotelbetreiberin verteidigte das Verbot mit Hygiene-Bedenken. Weil es sich beim Haus auch um einen Kurbetrieb handle, lege man besonders hohe Maßstäbe an und Stoff sei ein möglicher Bakterienträger. "Das ist eine Annahme von uns", erklärte die Hotel-Chefin vor Gericht, denn wissenschaftliche Belege kann sie keine vorweisen.
Ganz anders sieht man die Lage in anderen Thermen und Hotels. Besonders deutlich wird das im Paracelsus Bad in Salzburg. Dort sind Burkinis kein Aufreger – schon allein deshalb, weil sie kaum vorkommen.
"Bei unseren 250.000 Gästen im Jahr kommt das ungefähr 20 Mal vor", erklärt Betriebsleiter Sönke Eckl-Henningsen. Voraussetzung sei lediglich, dass die Kleidung aus Badetextilien besteht. Baumwolle oder Straßenkleidung seien verboten – Burkinis aus Bade-Stoff hingegen erlaubt. Die Haltung des Bades ist eindeutig: "Wir sind ein inklusives Bad, alle haben die Möglichkeit, zu uns zu kommen, alle sollen sich bei uns wohlfühlen."
Und noch etwas überrascht: Beschwerden über Burkinis gebe es praktisch nie. Für Diskussionen sorgen laut Betreibern vielmehr Badegäste mit zu wenig Stoff am Körper. In der Rupertus Therme in Bad Reichenhall etwa sorgen deutlich mehr Männer im Stringtanga für Beschwerden der weiblichen Besucher.
Auch die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) widerspricht den Hygiene-Argumenten gegen Burkinis deutlich. Bereits 2020 hielt die Behörde in einer Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der FPÖ zu Burkinis fest, "dass es sich aus fachlicher Sicht nicht erschließt, warum eine Ganzkörperbekleidung beim Betreten öffentlicher Schwimmbäder unhygienisch sein sollte bzw. zu stärkerer Belastung der Reinheit des Wassers führen könnte." Nachsatz: "Der Badekleidung kommt keine relevante Bedeutung als Keimquelle zu."
Jasmina A., selbst Juristin, verweist ebenfalls darauf: "Der Burkini ist außerdem keineswegs unhygienischer, wie viele denken, im Gegenteil. Beim Burkini gelangen sogar weniger Haare und Hautschuppen in das Wasser."
Die Schwestern vermuten, dass es ohnehin nie um eine solche Baderegel gegangen ist. Während des Telefonats hatte die Hotel-Chefin ihnen zufolge eher solche Sätze fallen lassen: "Hier in Österreich hätten wir uns anzupassen" oder: "Mit dem Burkini könnten wir in Saudi-Arabien schwimmen gehen."
Vor Gericht schilderte Jasmina A. ihre Gefühle deutlich. Das Erlebnis an der Rezeption sei "maximal entwürdigend und diskriminierend" gewesen. Sie habe ein "Gefühl der Ausgrenzung" erlebt. Nach dem Vorfall verließen die beiden Frauen das Hotel sofort wieder: "Wir wollten einfach nur weg".
Wie das Landesverwaltungsgericht den Fall bewertet, wird erst in einigen Wochen feststehen. Die Entscheidung wird schriftlich zugestellt.