Großer Andrang im Landesgericht Salzburg: Der mit Spannung erwartete Mordprozess wegen der Tötung eines Einbrechers hat am Freitag begonnen. Der Gerichtssaal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein Geschworenengericht muss nun entscheiden, ob der 66-jährige W. in Notwehr handelte – oder ob tatsächlich Mord vorliegt.
Die Staatsanwaltschaft sieht die Sache klar. Staatsanwältin Elisabeth Reich erklärte in ihrem Eröffnungsplädoyer, der Schütze sei nie direkt angegriffen worden. Zudem habe sich der Angeklagte mehrfach widersprochen. Eine Notwehr-Situation sei deshalb schwer nachvollziehbar.
Ganz anders sieht das Verteidiger Kurt Jelinek. Er stellte den Angeklagten als unbescholtenen Bürger dar: "Er ist ein braver Mensch, der noch nie etwas getan hat. Mein Mandant bedauert, was passiert ist, es tut ihm leid. Er wollte nicht töten, er wollte verletzen und war in Angst und Panik."
Auch W. selbst meldete sich vor Gericht zu Wort. Laut "Krone" sichtlich bewegt sagte er: "Ich bedauere sehr, dass der Einbrecher tödliche Verletzungen erlitten hat. Das war der schlimmste Tag meines Lebens."
Der Prozess musste zwischenzeitlich sogar unterbrochen werden, nachdem der Angeklagte vor lauter Tränen nicht weitermachen konnte. Im Saal wurde über einen möglichen Nervenzusammenbruch spekuliert.
Der Fall sorgt seit Monaten für Diskussionen. Was war passiert? Laut Anklage überraschte W. am 31. Juli 2025 zwei Einbrecher in seinem Haus im Salzburger Stadtteil Gnigl. Der Pensionist holte daraufhin seine Waffe aus dem Sicherungsschrank und gab zunächst einen Warnschuss ab.
Das Einbrecher-Pärchen flüchtete jedoch weiter. Auch zwei weitere Warnschüsse hielten die Täter laut Ermittlungen nicht auf. Schließlich soll sich der Sportschütze niedergekniet und aus rund neun Metern Entfernung auf den Hinterkopf eines ungarischen Einbrechers geschossen haben. Der Mann starb Stunden später im Spital.
Noch den ganzen Freitag wird im Landesgericht weiter verhandelt. Ein weiterer Prozesstag ist bereits für Montag angesetzt.