Fall schlägt Wellen

Burkini-Verbot in Hotel – Muslimas "maximal entwürdigt"

Wegen ihres Burkini wurde zwei Muslima von einem Pongauer Hotel der Zugang zum Pool verwehrt. Der Streit um Diskriminierung schlägt hohe Wellen.
Newsdesk Heute
08.05.2026, 14:15
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Der Streit um einen Burkini in einem Pongauer Hotel sorgt weiter für Wirbel. Zwei Schwestern aus Oberösterreich zeigen die Betreiber wegen möglicher Diskriminierung an. Am Mittwoch musste sich sogar das Salzburger Landesverwaltungsgericht mit dem Fall beschäftigen.

Jasmina und Boshra A. waren, wie berichtet, am 25. Oktober des Vorjahrs für einen Kurzurlaub angereist. Geplant war zuerst ein Sprung in den Pool, danach eine Wanderung. Doch schon an der Rezeption kam es zum Eklat: Als eine der Frauen erwähnte, noch schnell ihren Burkini aus dem Auto zu holen, hieß es plötzlich, dass Ganzkörperbadeanzüge im Pool nicht erlaubt seien.

"Das Hotel hatte ich extra ausgesucht, weil es gute Bewertungen hatte und vor allem wegen des Pools", sagte Boshra A. nun vor Gericht aus. Die Hotelbetreiberin bestätigte bei ihrer Aussage, dass Frauen mit Burkini im Pool nicht erwünscht seien. Als Grund nannte sie Hygiene-Bedenken.

Nur ein Vorwand?

Stoff sei ein möglicher Bakterienträger, wissenschaftliche Belege dafür kenne sie aber nicht. "Das ist eine Annahme von uns", erklärte die Chefin. Weil es sich beim Haus auch um einen Kurbetrieb handle, lege man besonders hohe Maßstäbe an die Hygiene an.

Jasmina A., sie ist selbst Juristin, verweist hingegen auf frühere Untersuchungen, die diese Annahme widerlegen. So hatte die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bereits 2020 im Zuge einer parlamentarischen Anfrage der FPÖ an die damalige Gesundheitsministerin Brigitte Zarfl klargestellt, "dass es sich aus fachlicher Sicht nicht erschließt, warum eine Ganzkörperbekleidung beim Betreten öffentlicher Schwimmbäder unhygienisch sein sollte bzw. zu stärkerer Belastung der Reinheit des Wassers führen könnte."

"Der Burkini ist außerdem keineswegs unhygienischer, wie viele denken, im Gegenteil. Beim Burkini gelangen sogar weniger Haare und Hautschuppen in das Wasser", rezitiert Jasima A. vor Gericht. Auch die AGES befand: "Der Badekleidung kommt keine relevante Bedeutung als Keimquelle zu."

"Maximal entwürdigend"

Doch darum sei es ohnehin nie wirklich gegangen, sind die Schwestern überzeugt. Das ursprüngliche Telefonat mit der Hotelchefin sei deutlich emotionaler verlaufen, sachliche Argumente habe diese keine gebracht. Stattdessen seien Sätze gefallen wie: "Hier in Österreich hätten wir uns anzupassen" oder: "Mit dem Burkini könnten wir in Saudi-Arabien schwimmen gehen."

Vor Gericht schildert sie ihre Enttäuschung: "Für uns war das ein Schock, weil wir so etwas nicht erwartet hätten." Das Erlebnis an der Rezeption sei "maximal entwürdigend und diskriminierend" gewesen. Sie habe ein "Gefühl der Ausgrenzung" erlebt.

Die Bezirkshauptmannschaft hatte nach Anzeige der Causa bereits zwei Straferkenntnisse gegen die Hotelbetreiber ausgesprochen. Dagegen legte das Hotel Beschwerde ein, weshalb es nun zum Prozess kam.

Andere Hoteliers und Bäder entspannter

In Oberösterreich sehen viele Hoteliers die Debatte gelassen. Gudrun Peter vom Rösslwirt in St. Wolfgang erklärt gegenüber der "Krone": "Bei uns gibt es keine Vorschriften bezüglich Badekleidung." Auch Hotelier Horst Dilly aus Windischgarsten winkt ab: "Das ist ja auch ein Badeanzug. Damit hatten wir noch nie Schwierigkeiten."

Auch die Tourismus Salzburg GmbH hat eine klare Haltung. "Wir sind ein inklusives Bad, alle haben die Möglichkeit, zu uns zu kommen, alle sollen sich bei uns wohlfühlen", erklärt Sönke Eckl-Henningsen, Betriebsleiter im Paracelsus Bad, im Gespräch mit der "SN". Sollte sich jemand an Burkini-Schwimmerinnen stören, dann müssten nicht die Frauen das Bad verlassen, sondern die Person, die sich darüber aufrege. Dazu sei es aber noch nie gekommen.

Überhaupt seien Besucherinnen im Burkini die absolute Ausnahme. "Bei unseren 250.000 Gästen im Jahr kommt das ungefähr 20 Mal vor." Voraussetzung sei nur, dass der Burkini aus Badetextilien geschneidert ist. Das Schwimmen in einer Baumwollburka wäre deshalb verboten – auch das sei aber noch nie vorgekommen.

Ähnlich auch die Situation in der Rupertus Therme im benachbarten Bad Reichenhall. Andere Badegäste hätten sich am seltenen Anblick eines Burkinis noch nie gestört. Meistens sorgt eher das Gegenteil – zu wenig Stoff am Körper – für Aufregung. So gebe es immer wieder Beschwerden von Frauen über Männer im Stringtanga.

"Wir wollten einfach nur weg"

Rechtlich dürfen Hotels Burkinis im Rahmen der Hausordnung zwar verbieten. Das müsste für Gäste aber klar ersichtlich sein – etwa direkt auf der Homepage oder in der Badeordnung. Ob das dann noch Gastfreundschaft ausstrahlt, müssen die Betreiber für sich entscheiden.

Die beiden Schwestern haben das Hotel jedenfalls nach dem Eklat direkt wieder verlassen. "Wir wollten einfach nur weg", sagte Jasmina A. vor Gericht. Wie dieses in dem Fall entschieden hat, wird erst in einigen Wochen klar. Das Erkenntnis ergeht schriftlich an die Beteiligten.

{title && {title} } red, {title && {title} } 08.05.2026, 14:15
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen