Bereits den dritten Tag in Folge versammeln sich in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi Hunderte Studierende, Berufseinsteiger und Arbeitssuchende zu Protesten. Sie fordern den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan nach Unregelmäßigkeiten bei einer wichtigen Aufnahmeprüfung für Medizinstudien.
Angeführt wird die Demonstration von der Cockroach Janata Party (CJP), einer neuen Bewegung, die mit satirischen Aktionen auf Missstände im indischen Bildungssystem aufmerksam macht. Ihr Maskottchen: eine Kakerlake – eine Anspielung auf die Regierungspartei BJP.
Im Zentrum der Proteste steht die sogenannte NEET-UG-Prüfung, einer der härtesten Mediziner-Aufnahmetests des Landes. Nach Vorwürfen eines Prüfungslecks wurden die Testergebnisse annulliert und eine Wiederholung angeordnet.
Am Sonntag mussten Millionen Kandidaten die Prüfung erneut ablegen, diesmal unter strengeren Sicherheitsvorkehrungen. Laut der zuständigen Prüfungsbehörde verlief der neue Test ohne weitere Zwischenfälle. Doch viele Protestierende sehen darin keine Lösung und verlangen grundlegende Reformen und mehr Verantwortlichkeit im Bildungssystem.
CJP-Gründer Abhijeet Dipke, Student an der Boston University, rief am Protestwochenende zu weiterer Unterstützung auf: "Wir sind hier für Verantwortlichkeit." Die Bewegung entstand nach umstrittenen Äußerungen des Obersten Richters Indiens, der arbeitslose Jugendliche mit Kakerlaken verglichen hatte – eine Aussage, die landesweit Empörung auslöste.
Obwohl die örtliche Polizei das Protestcamp nur bis zum 20. Juni genehmigte, blieben viele Demonstrierende vor Ort. Freiwillige versorgten sie mit Essen und Wasser, während die Teilnehmer über Bildungsreformen diskutierten und sich trotz der Hitze nicht vertreiben ließen. Organisatoren warfen der Polizei zwischenzeitlich vor, die Versorgung zu erschweren, berichteten aber später von einer Entspannung.
Auch Personen ohne direkten Bezug zum Medizintest schlossen sich dem Protest an. "Ich bin da, weil sie das Richtige tun", sagte Jyoti Thakur, eine 23-jährige Lageristin gegenüber der BBC. Ein weiterer Teilnehmer, der Anwalt Gaurav Jain, betonte die Notwendigkeit eines transparenteren Bildungssystems. Bildungsministerium und Regierungspartei haben bisher nicht auf die Rücktrittsforderungen reagiert.