Mitten in anhaltenden Protesten gegen Korruption und die Regierung sind am Samstag Zehntausende Menschen in Belgrad auf die Straße gegangen. Die Demonstranten forderten Neuwahlen und protestierten gegen Präsident Aleksandar Vučić.
Nach Angaben der unabhängigen Beobachtergruppe AJS nahmen mindestens 180.000 Menschen an der Kundgebung teil. Damit war es die zweitgrößte Demonstration in Serbien seit dem Sturz des früheren Machthabers Slobodan Milošević vor 26 Jahren. Die Polizei sprach hingegen lediglich von rund 34.000 Teilnehmern.
Seit rund eineinhalb Jahren kommt es in Serbien immer wieder zu Protesten gegen die Regierung und die weit verbreitete Korruption im Land. Auslöser war der Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen.
Zunächst standen die Ursachen des Unglücks im Mittelpunkt der Demonstrationen. Inzwischen richten sich die Proteste – die vor allem von Studenten getragen werden – zunehmend direkt gegen die Regierung.
Zu der Kundgebung am Samstagabend hatten Studentengruppen aufgerufen. Sie hoffen auf neuen Schwung für die Protestbewegung.
Gegen Ende der Demonstration eskalierte die Lage teilweise. Maskierte Teilnehmer warfen Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper auf Polizeikräfte. Die Polizei setzte daraufhin Tränengas ein. Laut Innenministerium wurden mehr als 20 Demonstranten festgenommen.
Die Sicherheitskräfte verhinderten zudem mit Fahrzeugen, dass die Menge zum Präsidentenpalast und zum Parlamentsgebäude marschieren konnte.
Die Staatsanwaltschaft kündigte an, jeder, der Polizeibeamte angegriffen habe, werde "identifiziert und in Übereinstimmung mit dem Gesetz strafrechtlich verfolgt".
Präsident Vučić erklärte auf Instagram, die Szenen der Gewalt seien "nicht gut für Serbien". "Sie werden damit nichts verändern", betonte der Staatschef.
Bereits am Freitag hatte der Menschenrechtsbeauftragte des Europarats, Michael O'Flaherty, von einer verschlechterten Menschenrechtslage in Serbien gesprochen. Er verwies dabei auf Angriffe gegen Aktivisten und Journalisten sowie auf mutmaßliche Rechtsverstöße von Polizisten bei Protesten.