Das oberste Antikorruptionsgericht der Ukraine hat am Donnerstag Untersuchungshaft gegen den früheren Selenskyj-Vertrauten Andrij Jermak verhängt. Demnach soll der ehemalige Leiter des Präsidialamts für 60 Tage in Haft kommen.
Er könnte zwar gegen eine Kaution in Höhe von 140 Millionen Hrywnja (2,7 Millionen Euro) freikommen. Doch so viel Geld habe er nicht, behauptet er laut der Zeitung "Kyiv Independent" gegenüber den Medien.
Die ukrainischen Ermittler werfen Jermak vor, Teil eines groß angelegten Netzwerks zur Veruntreuung von Geldern gewesen zu sein. Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine, kurz NABU, erklärte bereits am Montag, eine "organisierte Gruppe" enttarnt zu haben.
Dabei sollen laut Behörden rund 8,9 Millionen Euro über ein Luxusbauprojekt nahe Kiew gewaschen worden sein. Einer der Hauptverdächtigen sei ein ehemaliger Leiter des ukrainischen Präsidialamts gewesen.
Jermak selbst weist die Vorwürfe zurück. Gegenüber Journalisten sagte er nach seiner dreitägigen Anhörung vor Gericht: "Ich weise alle Anschuldigungen zurück. Ich habe nichts zu verbergen und werde Berufung einlegen."
Jermak galt jahrelang als engster politischer Vertrauter von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Zwischen 2020 und 2025 leitete er das Präsidialamt und war einer der mächtigsten Männer des Landes.
Sein Absturz begann im Juli 2025 mit einem Angriff auf die Antikorruptionsbehörde, die Korruption in hohen Regierungskreisen untersuchte. Der Behörde sollte die Unabhängigkeit entzogen werden – tausende Ermittler unter Regierungskontrolle gestellt werden. Dieser Schritt löste Massenproteste aus und wurde später unter dem Druck der Straße und auf Drängen aus Brüssel zurückgenommen.
Berichten zufolge soll Jermak diese Aktion orchestriert haben, schreibt "Kyiv Independent". "Das ist eine Lüge", sagte Jermak demnach vor Gericht zu Journalisten.
Ende November zog sich Jermak überraschend aus seinem Amt zurück. Zuvor hatten Antikorruptionsermittler einen großen Korruptionsskandal im ukrainischen Energiesektor aufgedeckt, in den mehrere Politiker verwickelt gewesen sein sollen.
Korruption zählt seit Jahren zu den größten Problemen der Ukraine. Gerade im Hinblick auf einen möglichen EU-Beitritt steht das Land unter Druck, entschlossener gegen Machtmissbrauch und Geldwäsche vorzugehen.
Ausgerechnet ein früherer Top-Berater Selenskyjs wird nun selbst zum Symbol für den Kampf gegen die Korruption im Land.