Seit Tagen herrscht Funkstille um den mehrfach an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwal. Der GPS-Tracker des Tieres liefert keine Daten mehr – unklar ist inzwischen sogar, ob der Wal noch lebt.
Knapp zwei Wochen nach dem Aussetzen des Buckelwals fehlt weiterhin jede Spur von "Timmy". Wie die Privatinitiative mitteilte, die den Transport des Tieres organisiert hatte, sendet der GPS-Sender nach wie vor keine Ortungsdaten mehr. "Es gebe überhaupt keine Daten mehr", hieß es.
Auch beim Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern liegen laut einer Sprecherin weiterhin keine Informationen zum Aufenthaltsort des Wals vor. "Wir haben nach wie vor keine Daten vorliegen oder Informationen, ob mit diesen noch zu rechnen ist", erklärte sie. Gleichzeitig kündigte das Ministerium rechtliche Prüfungen an: "Unsere Juristen prüfen rechtliche Schritte."
Bereits vergangene Woche hatte das Ministerium mögliche rechtliche Konsequenzen ins Spiel gebracht. Hintergrund ist laut Behörden eine Vereinbarung mit der Initiative, wonach die Peildaten des Wals übermittelt werden sollten.
Nach Angaben der Initiative wurde dem Buckelwal vor seiner Freilassung am 2. Mai ein GPS-Sender an der Rückenflosse angebracht. Dieser hätte laufend Standortdaten liefern sollen. Unabhängig bestätigen ließ sich das allerdings nicht.
Fachleute weisen darauf hin, dass ein GPS-Sender keine Daten mehr überträgt, wenn ein Wal zu schwach ist, um regelmäßig an die Wasseroberfläche zu kommen. Sinkt das Tier ab und ertrinkt, können Satelliten die Signale nicht mehr erfassen, da diese nur beim Auftauchen registriert werden.
Ein möglicher Kadaver würde zudem nicht zwingend sichtbar werden. Durch den hohen Wasserdruck in tieferen Gewässern könnten die beim Verwesen entstehenden Gase den Körper nicht an die Oberfläche treiben. Nur wenn sich der Wal vor seinem Tod in Küstennähe befunden hätte, könnte er angespült werden.
Der Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet worden. In den rund 60 Tagen bis zum Transport hielt sich das Tier laut Angaben etwa zwei Drittel der Zeit in Flachwasserbereichen auf. Schließlich wurde der Buckelwal mit einem Lastkahn von der Insel Poel aus in die Nordsee gebracht.
Fotos oder Videos von der Freisetzung gibt es laut Initiative nicht. Offen blieb außerdem, in welchem Zustand sich das geschwächte Tier nach dem Transport befand. Der Wal soll durch das Hin und Her im Kahn Verletzungen erlitten haben.
Organisationen wie Whale and Dolphin Conservation (WDC) sowie die Internationale Walfangkommission (IWC) hatten die langfristigen Überlebenschancen des Buckelwals bereits zuvor als äußerst gering eingeschätzt.
Eine kleine Hoffnung auf eine spätere Ortung gibt es dennoch. Laut Initiative wurde ein Foto der Fluke – also der großen Schwanzflosse – aufgenommen. Dieses soll als sogenannte Foto-ID in Datenbanken eingespeist werden. Auch dazu gibt es allerdings keine unabhängige Bestätigung.
Wie die Tierschutzorganisation WDC erklärt, können neben der Unterseite der Fluke auch Narben oder andere auffällige Hautmerkmale zur Identifikation eines Wals dienen. Der Poeler Wal gehöre zur Population der nordatlantischen Buckelwale. "Jedes Forschungsteam, das mit dieser Population arbeitet, fotografiert die Individuen", erklärte die Organisation. Über Jahre seien so tausende Identifikationsfotos gesammelt worden.
Sollte der Wal noch leben und die Foto-ID tatsächlich angelegt worden sein, könnte das Tier künftig in nördlichen Nahrungsgebieten, südlichen Paarungsregionen oder auf seinen Wanderrouten wiederentdeckt werden.