Es war ein wahres Drama, welches sich über Wochen vor der Küste der deutschen Ostseeinsel Poel (Mecklenburg-Vorpommern) abgespielt hat: Der gestrandete Buckelwal "Timmy" kämpfte dort um sein Leben. Experten rieten von einer Rettung ab und wollten das Tier sterben lassen.
Erst durch eine vom Umweltministerium des Bundeslandes geduldete Initiative von Unternehmerin Karin Walter-Mommert und MediaMarkt-Mitbegründer Walter Gunz konnte der Meeressäuger befreit werden. "Timmy" wurde von den Schiffen "Robin Hood" und "Fortuna B" mittels einer Barge aufs offene Meer gebracht und am vergangenen Wochenende ausgesetzt.
Dabei soll es jedoch zu schwerwiegenden Fehlern der Besatzung gekommen sein. Die "Bild" berichtete, dass sich beide Geldgeber inzwischen von der Aktion distanzieren würden. Auch Umweltminister Till Backhaus (SPD) kritisierte die Helfer gegenüber der Zeitung scharf. Ihm zufolge seien drei vereinbarte Punkte nicht vollends eingehalten worden.
Es war ausgemacht, dass es eine Videoüberwachung geben soll. Zudem hätten Tracker-Daten übermittelt werden sollen, auch ein vereinbartes tierärztliches Gutachten nach der Freilassung sei nicht übermittelt worden. Wenigstens seien inzwischen Signale von "Timmy" eingetroffen. Dies sei Backhaus von Walter-Mommert bestätigt worden. Zuvor wurde bereits darüber spekuliert, ob der Wal bereits tot sei.
Noch deutlicher wurde nun Mitinitiator Gunz im Gespräch mit "NEWS5". Er sprach Walter-Mommert einen Dank aus. Sie hätte den Großteil der Arbeit erledigt. Auch die Helfer am Strand hätten einen guten Job gemacht. Was jedoch bei der Aussetzung des Meeressäugers vorgefallen sei, stößt Gunz sauer auf.
Laut dem 80-Jährigen sei die Freilassung "eine Katastrophe" gewesen. Seitens des Kapitäns soll der Satz "Gott sei Dank, ist das Drecksvieh jetzt draußen" gefallen sein. Auch die Ärzte hätten nicht zu dem Meeressäuger kommen dürfen. Des Weiteren habe der Kapitän das Tier an einer Stelle freigelassen, die nie dafür vorgesehen war. Laut Gunz sei der Wal "aus dem Boot geschmissen" worden.
Der MediaMarkt-Mitbegründer habe Walter-Mommert davor gewarnt, den Mann vorab zu bezahlen, denn dadurch hätte der Kapitän machen können, was er wollte. Genau dies sei dann passiert.
Besonders brisant: Mittlerweile sei "Strafanzeige" gestellt worden. Gunz zufolge soll "Timmy" am Tag an der Flosse gezogen worden sein. Mit dem Tier sei "lieblos umgegangen" worden. Gunz glaubt zudem, dass die Besatzung sich bewusst einen Zeitpunkt für die Freilassung des Tieres ausgesucht hätte, an dem keine Livebilder gesendet wurden. Es sei eine "Nacht-und-Nebel-Aktion" gewesen.
Des Weiteren soll der Kapitän auch gegen Personen an Bord übergriffig gewesen sein. Laut Gunz habe er einem Besatzungsmitglied das Handy aus der Hand geschlagen. Der Mitinitiator geht davon aus, dass der Fall eines Tages vor Gericht landen könnte.