Überraschende Wende im dramatischen Rettungseinsatz um Buckelwal Timmy: Am Samstag gegen 9 Uhr verabschiedete sich das Tier mit einem letzten Pusten - dann nahm es offenbar Kurs auf den Atlantik. Nach Tagen voller Sorgen ist das ein hoffnungsvolles Zeichen. Doch rund um die Freilassung gibt es viele offene Fragen.
Noch kurz davor hatte sich die Lage zugespitzt. In den zwei Tagen zuvor kam es zu dramatischen Szenen in Timmys "Wassertaxi". Die Millionäre Karin Walter-Mommert (62) und Walter Gunz (79) hatten viel Geld und Einsatz in die Rettung gesteckt. "Die Nacht von Donnerstag auf Freitag war für den Wal schon sehr kritisch. Er lag nicht so ruhig in der Barge, wie wir uns das erhofft haben", schilderte Walter-Mommert.
Probleme gab es offenbar mit den sogenannten Big Packs: Timmy hatte zu viel Spielraum, bewegte sich heftig - womöglich aus Angst. Dabei zog er sich Abschürfungen an der Schnauze zu, allerdings "nichts Lebensbedrohliches". Ein erster Versuch, den Wal freizulassen, scheiterte am Freitag: "Deshalb gab es am Freitagnachmittag schon einmal den Versuch, ihn freizulassen. Der ist jedoch gescheitert." Walter-Mommert griff ein: "Also habe ich den Kapitän angerufen und gesagt: Abbruch!"
Eigentlich hätte sich Timmy danach länger erholen sollen. Ein neuer Anlauf war erst für Samstagnachmittag geplant. "Wir wollten, dass die Tierärztinnen den Wal heute noch mal begutachten. Das ist nicht passiert." Die Retter gingen davon aus, genug Zeit zu haben.
Doch dazu kam es nicht: Während der Schlepper "Fortuna B" Richtung offenes Meer unterwegs war, fiel offenbar gegen den Willen der Initiatoren die Entscheidung zur Freilassung am Morgen. "Es gab wohl Druck auf die Schlepper-Kapitäne. Einer soll schon am 7. Mai in Holland sein. Und das, obwohl ich die Schlepper mit OpenEnd gebucht hatte", so Walter-Mommert.
Sie hätte den Wal lieber weiter draußen freigelassen: etwa 200 Kilometer weiter nördlich auf Höhe von Bergen. Die Bedingungen wären ideal gewesen, die See war ruhig. Nun bleibt nur Hoffnung. "Hoffentlich geht es jetzt gut aus … Wir wollten das Tier in Freiheit sehen und beten nun, dass alles gut geht und er ein langes Leben hat!"
Wie genau Timmy letztlich frei kam, ist unklar. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus erklärte, der Wal habe die Barge selbstständig verlassen. Das Initiatoren-Team kann das nicht bestätigen. Fotos oder Videos gibt es ebenfalls keine.
Auch der Ablauf am Samstagmorgen wirft Fragen auf. Laut Schilderungen gab es um 6.30 Uhr eine Lagebesprechung. "Dann machte sich die Besatzung auf den Weg zur Barge - wollte die Lage checken. Von unserem Team durfte keiner mit", sagte Journalist Jens Schwarck. Kurz darauf kam überraschend die Nachricht: Timmy sei frei. "Dabei sollte er heute noch mal ärztlich untersucht werden."
Eine Erklärung der Crew blieb aus. Der Kapitän der "Fortuna B" untersagte weitere Dokumentation. Unklar bleibt daher, ob sich Timmy selbst befreite oder von der Crew freigelassen wurde. Auch von den Verantwortlichen an Bord gibt es bisher keine Stellungnahme.
Die Retter bleiben dennoch vor Ort und hoffen, dass ein Tracker bald Daten liefert. Dafür muss der junge Buckelwal einige Sekunden komplett untertauchen. Erst dann wird sich zeigen, ob Timmy wirklich auf dem Weg in die Freiheit ist.