Rund um den Buckelwal Timmy, der an der Ostseeküste gestrandet war und wieder ins Meer gebracht wurde, werden die Zweifel immer lauter. Experten bezweifeln, dass der Sender am Tier tatsächlich Vitaldaten liefert – so, wie es die private Initiative behauptet.
Laut "20 Minuten" gibt es von Fachleuten heftige Kritik: Gewöhnliche GPS- oder Satellitensender können nämlich keine medizinischen Vitalwerte wie Herz- oder Atemfrequenz messen. Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) erklärt, dass dafür spezielle Sensoren notwendig wären, die bei herkömmlichen Trackern schlicht fehlen.
"Es gibt keinen handelsüblichen GPS-Sender, der Vitaldaten des Wals liefern kann – wer das behauptet, sagt nicht die Wahrheit", betont der dänische Meeresbiologe Peter Madsen von der Universität Aarhus. Auch Thilo Maack von Greenpeace bestätigt: Ein GPS-Tracker kann solche Daten nicht erfassen oder übermitteln.
Weder die private Initiative noch das Whale Sanctuary Project oder das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns wollten auf Nachfrage verraten, welcher Sendertyp konkret verwendet wurde. Das Ministerium teilte nur mit, dass bisher keine Daten vorliegen – man warte noch.
Die Tierärztin Kirsten Tönnies von der Initiative erklärte, der Tracker sei dem Tier an der Rückenfinne befestigt worden. Üblicherweise werden solche Sender an der Wasseroberfläche angebracht, damit sie überhaupt Daten senden können, so der Meeresbiologe Boris Culik. Laut Maack können so befestigte Tracker aber keine Vitaldaten wie Herz- oder Atemfrequenz liefern.
Vor dem Aussetzen des Wals wurde der Tracker laut Tönnies nicht noch einmal getestet. Für Experten ist das unverständlich: "Eine Funktionsprüfung vor dem Einsatz wäre aus fachlicher Sicht üblich und zu erwarten gewesen", heißt es vom ITAW. Madsen meint dazu: "Es ist ziemlich amateurhaft, den Sender nicht zuerst zu testen." Spätestens nach der Montage am Tier hätte auffallen müssen, wenn er nicht funktioniert.
"Wenn sich bewahrheitet, dass der Peilsender keine Daten liefert, wäre das eine Katastrophe, auch für das Rettungsteam", sagt der Walforscher Fabian Ritter. Es habe schon mehrfach Anlass gegeben, an der Professionalität des Teams zu zweifeln – das hier wäre aber der schwerwiegendste Fehler. "Man muss hier wirklich von Fahrlässigkeit sprechen."
Die Öffentlichkeit bleibt beim Schicksal des Wals außen vor: Laut Initiative werden die Infos nur dem Team und dem Ministerium zur Verfügung gestellt. "Es ist sehr seltsam und unprofessionell, solche Informationen nicht öffentlich zugänglich zu machen", kritisiert Meeresbiologe Madsen.
Sollten weiterhin keine Daten auftauchen, bleibt das Schicksal von Timmy für immer ungeklärt. "Ohne zu wissen, wo sich das Tier befindet, und ohne zu wissen, dass es sich bewegt, lässt sich unmöglich sagen, ob es tot ist – womit die gesamte Aktion umsonst und Tierquälerei gewesen wäre", sagt Madsen. Genauso wenig könne man je sagen, ob der Wal noch lebt. "So oder so hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf, dies zu erfahren."
Ohne Daten lässt sich die ganze Mission nicht als Erfolg oder Misserfolg bewerten, betont auch Ritter. "Das kann sich das Team nicht wünschen, und es wäre auch für die deutsche und internationale Öffentlichkeit eine bittere Erkenntnis."
Der Buckelwal, der mehrmals an der Ostseeküste gestrandet war, wurde am Samstag in der Früh wieder ins Meer gelassen. Ob er noch lebt, wie es ihm geht und wohin er schwimmt, ist weiterhin unklar. Experten verschiedener Tierschutzorganisationen schätzen die Überlebenschancen des Tiers aber als sehr gering ein.