Während auf Straßen längst Tempolimits gelten, geraten nun auch Radwege ins Visier der Verkehrspolitik.
In den niederländischen Städten Amsterdam und Houten starten erstmals Pilotprojekte mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h für Radfahrer. Ziel ist es, die Sicherheit auf stark frequentierten Radwegen zu erhöhen.
Hintergrund der Maßnahme ist die zunehmende Zahl schneller Verkehrsteilnehmer auf den Radwegen. Neben klassischen Fahrrädern sind dort immer häufiger E-Bikes, Fatbikes und Mopeds unterwegs. Gerade in Ballungsräumen kommt es dadurch vermehrt zu gefährlichen Situationen und Unfällen.
In der als besonders fahrradfreundlich geltenden Stadt Houten beginnt der Testlauf bereits am 8. Juni. Betroffen ist die Fossa Iberica, eine schmale und stark befahrene Strecke nahe des Einkaufszentrums Castellum. Täglich passieren dort laut "AD" mehr als tausend Radfahrer und Mopedlenker die Kreuzung. Seit 2023 wurden an diesem Abschnitt mehrere Unfälle registriert.
Damit die neue Regel nicht übersehen wird, stellt die Gemeinde Verkehrsschilder auf. Zusätzlich werden Kameras installiert, die Geschwindigkeit, Fahrtrichtung und Art der Verkehrsteilnehmer erfassen. Strafen sind allerdings vorerst nicht vorgesehen.
Die Polizei wird Verstöße gegen das Tempolimit zunächst nicht ahnden. Als Grund werden begrenzte Personalressourcen und andere Prioritäten genannt. Genau dieser Punkt sorgt bei vielen Anrainern für Skepsis.
Ein Bewohner hält wenig von dem Versuch: "Junge Leute auf Fahrrädern, vor allem auf Fatbikes oder Mopeds, scheren sich einfach nicht um so ein Schild." Ohne Kontrollen sei die Maßnahme seiner Meinung nach wirkungslos.
Auch Amsterdam beteiligt sich am Pilotprojekt. Dort soll die Geschwindigkeitsbegrenzung ab September getestet werden. Die Stadt kämpft seit Jahren mit immer voller werdenden Radwegen und einem starken Anstieg von Elektrofahrzeugen.
Das niederländische Infrastrukturministerium verweist auf alarmierende Unfallzahlen. Im vergangenen Jahr kamen 281 Radfahrer ums Leben, rund 81.000 Menschen mussten nach Fahrradunfällen in Notaufnahmen behandelt werden.
Der niederländische Verkehrsminister Vincent Karremans sieht deshalb Handlungsbedarf. "Wir wollen alles nutzen, was zur Verkehrssicherheit beiträgt", betont er. Sollten die Pilotversuche erfolgreich verlaufen, könnten weitere Städte ähnliche Tests durchführen.
Eine flächendeckende Geschwindigkeitsbegrenzung für Radfahrer steht derzeit jedoch nicht zur Diskussion.
Die Testläufe sollen nun zeigen, ob sich das Fahrverhalten auf Radwegen verändert und ob sich dadurch die Zahl der Unfälle reduzieren lässt. Dazu werden neben den Kameradaten auch Befragungen der Radfahrer ausgewertet. Sie sollen Auskunft darüber geben, ob sie sich mit dem neuen Tempolimit sicherer fühlen.