Was als ausgelassene Abschlussfeier begann, eskalierte total: Rund 40 bis 50 vermummte Schüler der Kantonsschule Baden stürmten vergangenen Mittwoch die sogenannte "Uselütete" der Kantonsschule Wettingen im Schweizer Kanton Aargau.
Die Jugendlichen sollen schwarz gekleidet und vermummt gewesen sein, einige trugen laut Zeugen FC-Zürich-Trikots. Bewaffnet mit Mehl, Eiern, Essig-Wasserpistolen, Böllern und Feuerwerkskörpern gingen sie auf die Feiernden los. Laut Schülern flogen sogar leere Bierflaschen durch die Gegend.
"Ich dachte mir nur: ,Scheiße, das ist nicht mehr lustig'", schilderte eine betroffene Schülerin den Moment der Eskalation gegenüber "20 Minuten". "Uselütete", auf deutsch "Ausläuten", ist quasi das schweizerische Pendant zum Maturastreich.
Besonders schockierend: Ein Böller soll direkt neben dem Kopf einer Schülerin explodiert sein. Laut Schulleitung wurde ihr Gehör dabei verletzt. Andere Jugendliche gerieten durch das Feuerwerk in Panik.
Auch körperliche Übergriffe soll es gegeben haben. Eine Schülerin wurde laut Berichten geohrfeigt. Zudem seien Feuerwerkskörper gezielt in Richtung von Personen abgeschossen worden.
Der Rektor der Kantonsschule Wettingen sprach später sogar von einem "Überfall". Lehrpersonen hätten rasch eingegriffen und die vermummte Gruppe vom Gelände verwiesen.
Zwischen den beiden Schulen gibt es seit Jahren Rivalitäten und gegenseitige Streiche. Doch diesmal sei die Situation völlig außer Kontrolle geraten.
Der Rektor der Kanti Baden zeigte sich entsetzt. Die Szenen hätten ihn "an Hooligans oder den schwarzen Block" erinnert. Hinweise würden zudem darauf hindeuten, dass einzelne Beteiligte in der Fanszene des FC Zürich aktiv seien, der besonders militanten Südkurve.
Laut Schulleitung sollen einige Beteiligte bereits früher durch problematisches Verhalten aufgefallen sein.
Nun wird gemeinsam mit der Polizei ermittelt. Videoaufnahmen und Hinweise werden ausgewertet, mehrere Betroffene wollen Anzeige erstatten. Neben strafrechtlichen Konsequenzen stehen auch harte schulische Maßnahmen im Raum – sogar Schulausschlüsse werden geprüft.
Für viele Maturanten bleibt von ihrer Abschlussfeier statt Party-Stimmung jetzt vor allem ein Abend voller Angst, Böller und Chaos in Erinnerung.