21-Jähriger vor Gericht

Prozess gegen "White Tiger" – Mord-Horror im Internet

In Hamburg hat unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein Prozess gegen einen mutmaßlichen Onlinesadisten begonnen, dem 204 Taten vorgeworfen werden.
Digital  Heute
09.01.2026, 15:09
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Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat am Freitag in Hamburg der Mordprozess gegen einen als "White Tiger" bekannten, mutmaßlichen Onlinesadisten begonnen. Der 21-Jährige steht vor dem Landesgericht der Hansestadt. Ihm wird unter anderem Mord und fünffacher versuchter Mord vorgeworfen.

Er soll psychisch labile Jugendliche im Internet zu Gewalttaten gegen sich selbst gedrängt haben. Ein 13-jähriger Bub soll sich deshalb das Leben genommen haben.

Insgesamt werden dem Angeklagten 204 Straftaten zur Last gelegt, die er als Jugendlicher oder junger Erwachsener zwischen 2021 und 2023 unter dem Internetnamen "White Tiger" begangen haben soll. Laut Staatsanwaltschaft gibt es mehr als 30 betroffene Kinder und Jugendliche. Wegen des Alters des Angeklagten und der mutmaßlichen Opfer wird vor einer Jugendkammer verhandelt, die Öffentlichkeit ist ausgeschlossen.

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FBI kam 21-Jährigem auf die Spur

Laut einer Gerichtssprecherin spielen Videochat-Aufzeichnungen und Zeugenaussagen eine zentrale Rolle im Verfahren, das bis Ende des Jahres angesetzt ist. Auch Sachverständige werden gehört. Weil die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist, könne sie zu "konkreten Details" der Beweisaufnahme aber nichts sagen, betonte die Sprecherin am Freitag. Bestätigt wurde daher nur der Start des Verfahrens.

Der Beschuldigte wurde im Juni in Hamburg festgenommen, wo er im Haus seiner Eltern lebte. Der Fall wirft ein seltenes Licht auf eine Untergrundszene von Onlinesadisten, die sich übers Internet vernetzt. Laut Staatsanwaltschaft soll der Verdächtige Mitglied einer weltweit agierenden Internetgruppe namens 764 gewesen sein. Diese spricht gezielt psychisch labile Kinder und Jugendliche an und drängt sie zu Selbstverletzungen und sexuellen Handlungen vor laufender Kamera.

Medienberichten zufolge hat das FBI die Ermittlungen durch einen Hinweis an die deutschen Behörden ins Rollen gebracht. Der 13-jährige Bub, der sich das Leben nahm, lebte laut Berichten in den USA. Ein weiteres Opfer soll ein Mädchen aus Kanada gewesen sein.

"Verletzungen, die man sich kaum vorstellen kann"

Eine Betroffene nimmt als Nebenklägerin am Prozess teil. Ihr Anwalt Steffen Hörning sagte, sie sei "perfide manipuliert" worden. Es gehe um Verletzungen, "die man sich in dem Ausmaß und der Art und Weise, wie sie geschehen sind, kaum vorstellen kann". Junge Menschen mit schweren psychischen Problemen seien bei der Suche nach Hilfe im Internet sadistisch missbraucht worden, nachdem man ihr Vertrauen erschlichen hatte.

Dem 21-Jährigen werden vor allem im Internet begangene Straftaten gegen das Leben, die körperliche Unversehrtheit und die sexuelle Selbstbestimmung vorgeworfen. In einem Fall soll er einen 13-jährigen Bub bis zum Suizid gedrängt haben. Dafür soll er auch eine weitere "kindliche Geschädigte" eingesetzt haben. Der Bub erhängte sich laut Staatsanwaltschaft während eines live übertragenen Streams. In weiteren Fällen soll es zu Suizidversuchen gekommen sein.

Die Verteidigung des Angeklagten hatte schon vor Prozessbeginn erklärt, ihr Mandant sei "weder ein Monster noch unheilbar böse oder krank". Das Hauptproblem sei laut Verteidigung eine "fehlende soziale Kontrolle in einer digitalen Welt". Seine Rechtsanwältin Christiane Yüksel sagte am Freitag am Rande des Prozesses, sie gehe nicht davon aus, dass sich die Anklagevorwürfe beweisen lassen.

Im Oktober gab es eine weitere Festnahme rund um das Sadistennetzwerk 764 in Baden-Württemberg. Dort wurde ein 16-Jähriger in U-Haft genommen, der zu einer Splittergruppe des Darknet-Netzwerks gehören soll. Ihm wird vorgeworfen, in mindestens elf Fällen Kontakt zu potenziellen Opfern hergestellt zu haben. In fünf Fällen soll es danach zu selbstverletzenden Handlungen gekommen sein.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 09.01.2026, 16:48, 09.01.2026, 15:09
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