Debatte um Franz Dinghofer

"Radikaler Antisemit": Aufregung um Linzer Straßennamen

Mehr als 60 prominente Unterstützer erhöhen den Druck auf das Linzer Rathaus. Die Dinghoferstraße soll umbenannt werden, so die Forderung.
Oberösterreich Heute
29.07.2026, 16:09
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Die Linzer Dinghoferstraße sorgt schon wieder für heftigen Wirbel. Den Stein ins Rollen brachte das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ): Gemeinsam mit der Katholischen Aktion OÖ und dem OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus fordert es Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) auf, einen neuen Namen für die Straße zu finden.

"Franz Dinghofer hat es nicht verdient"

Der Grund: Dinghofer war nicht nur Linzer Bürgermeister, Vizekanzler und Justizminister. Das Bündnis bezeichnet ihn unter Verweis auf seine eigene Wortwahl auch als "radikalen Antisemiten". Zudem sei er 1940 der NSDAP beigetreten und habe sich "zu seinem persönlichen Profit" an einer "Arisierung" beteiligt. Mehr als 60 bekannte Persönlichkeiten unterstützen den offenen Brief – darunter Elfriede Jelinek, Josef Hader, Harald Krassnitzer und Gerhard Haderer.

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Ihr Wunsch: Aus der Dinghoferstraße soll die Aichernstraße werden – benannt nach dem heuer verstorbenen Altbischof Maximilian Aichern. "Der Judenhasser, 'Arisierer' und Nationalsozialist Franz Dinghofer hat es nicht verdient", stellt Robert Eiter vom OÖ. Netzwerk klar. MKÖ-Chef Willi Mernyi bezeichnet Aichern hingegen als "überzeugten Gegner des Faschismus".

Kaum war die Forderung öffentlich, reagierte die Linzer KPÖ. Gemeinsam mit den Grünen hatte die Partei bereits mehrmals eine Prüfung der Umbenennung beantragt – zuletzt im Dezember 2025, allerdings ohne Erfolg. Jetzt nimmt Fraktionschefin Gerlinde Grünn den SP-Stadtchef in die Pflicht: Dietmar Prammer müsse "mutig handeln und nicht länger fadenscheinige Ausflüchte suchen".

Dinghofer "nur" in Belastungskategorie 2

Dann legten auch die Grünen nach. Klubobmann Helge Langer findet deutliche Worte: Menschen, "die Hass, Hetze, Spaltung und Ausgrenzung den Boden bereitet haben", dürften keinen Platz im öffentlichen Raum haben. Sein Urteil: "Es ist höchste Zeit für einen kritischeren Umgang mit Franz Dinghofer."

Schließlich meldete sich Prammer selbst zu Wort. Er könne verstehen, dass der Name Dinghofer "bei vielen Menschen Fragen und Kritik auslöst". Die Stadt setze dennoch auf ihre wissenschaftliche Straßennamen-Kommission: Dinghofer landete in Belastungskategorie 2 – umbenannt wurden bisher aber nur Straßen, deren Namensgeber in der höchsten Kategorie 1 eingestuft worden waren.

Verstärkt Frauen als Namensgeber

Ganz vom Tisch ist der Name Aichern trotzdem nicht: Prammer hält den Altbischof für einen würdigen Namensgeber. Bei neuen Straßen will die Stadt derzeit allerdings verstärkt verdiente Frauen berücksichtigen. Zudem ist Aichern erst heuer verstorben. Das Stadtarchiv empfiehlt nach dem Tod einer Persönlichkeit mindestens drei Jahre Bedenkzeit – eine "Cooling-off-Phase", erklärt die Stadt. Eine Aichernstraße wäre daher frühestens 2029 möglich.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 29.07.2026, 17:14, 29.07.2026, 16:09