An der Unteren Lobau sind am Wochenende Hunderte tote Fische entdeckt worden. Spaziergänger und Sportler zeigten sich entsetzt, Videos eines Passanten belegen das Ausmaß des Fischsterbens. Während Anrainer eine klare Ursache vermuten, sehen Stadt Wien und Experten mehrere mögliche Auslöser, meldet die "Krone".
Am Ufer und im Wasser trieben zahlreiche verendete Fische, vor allem Karpfen. Ein Augenzeuge hielt die dramatischen Szenen auf Video fest. Der Anrainer ist überzeugt, dass Sauerstoffmangel zum Tod der Tiere geführt hat. Der Wasserstand sei seit Jahren rückläufig, zudem habe sich durch wiederholte Schleusenöffnungen bei Hochwasser immer mehr Schlamm abgelagert.
Unter der Eisdecke der vergangenen Wochen habe es für die Fische zu wenig Sauerstoff gegeben. Nach dem Tauwetter sei das ganze Ausmaß sichtbar geworden. "Jetzt ist alles aufgetaut. Ich habe sicher Hunderte, wenn nicht Tausende tote Fische gesehen", so ein Anrainer zur "Krone".
In der MA 45 ist das Fischsterben bislang nicht bekannt. Der Leiter der Gewässerinformation, Thomas Kozuh-Schneeberger, erklärt: "Das Schönauer Wasser befindet sich in der Unteren Lobau, auf niederösterreichischem Gebiet, und liegt daher nicht in unserem Wirkungsbereich." Zudem seien heuer noch keine Schleusen geöffnet worden.
Das betroffene Gewässer ist an den Arbeiterfischereiverband verpachtet. Dessen Verbandssekretär Martin Genser bestätigt einen massiven Ausfall, geht jedoch von natürlichen Ursachen aus: "Wahrscheinlich handelt es sich um natürliche Ausfälle. Fische bleiben etwa am Eis kleben." Krankheitsanzeichen habe man an den toten Tieren nicht festgestellt.
Ob die Fische erstickt seien, könne sein, so Genser – allerdings seien bestimmte Arten sehr widerstandsfähig. Die Tolstolobs, eine Karpfenart, würden normalerweise einiges aushalten, weiß der Experte. Als mögliche Ursache nennt er auch den starken Betrieb durch Eisläufer, der die Tiere massiv gestresst haben könnte.
Auch Umweltaktivist Kurt Kracher hält gegenüber der "Krone" mehrere Faktoren für denkbar. "Viele Fragen sind offen, aber geöffnete Schleusen dürften es nicht gewesen sein, dafür ist der Wasserstand zu niedrig. Der niedrige Pegel in Kombination mit der bereits auftauenden Eisdecke scheint mir das wahrscheinlichste Szenario zu sein."
Die Lobau ist ein ehemaliges Donau-Auengebiet, das durch die Flussregulierung im 19. Jahrhundert weitgehend von der natürlichen Wasserversorgung abgeschnitten wurde. Wo früher Seitenarme und Inseln lagen, finden sich heute Senken, Gräben und trockene Vegetationsflächen. Die fehlende Strömung hat langfristig zu Veränderungen im Ökosystem geführt.
Das Gebiet ist ein beliebtes Naherholungsziel mit Wander- und Radwegen – gleichzeitig aber ein hochsensibler Naturraum, in dem selbst kleine Veränderungen große Auswirkungen haben können.