"Keine Drogen im Haus!"

Gemeindebau-Bewohner wehren sich gegen Drogenhölle

Spritzen am Boden, Junkies auf der Stiege, Kinder im Haus! Für Bewohner eines Gemeindebaus in Wien-Neubau ist das kein Schockmoment – sondern Alltag.
Christoph Weichsler
10.02.2026, 07:15
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Der betroffene Gemeindebau liegt im Bereich Bernardgasse, nur wenige Gehminuten von der U6-Station Josefstädter Straße entfernt. Bewohner berichten, dass seit Jahren immer wieder Drogenabhängige unbefugt ins Haus gelangen und das Stiegenhaus sowie den Keller als Konsumraum nutzen.

In den vergangenen Monaten habe sich die Situation jedoch deutlich zugespitzt. "Früher waren es einzelne Vorfälle, jetzt passiert fast täglich", sagt ein Anrainer. Der tägliche Weg durch das Stiegenhaus sei für viele mit Angst verbunden.

Warum gerade dieses Haus?

Die Nähe zur U6 gilt unter Bewohnern als Hauptgrund. Rund um die Station Josefstädter Straße hält sich seit Jahren eine offene Drogenszene auf, viele nutzen das nahe Tageszentrum "Josi". Nachts, wenn es kalt ist und öffentliche Räume wegfallen, suchen manche Schutz in Wohnhäusern. "Ein offenes Haustor reicht", sagt ein Bewohner. Einmal im Haus, werde konsumiert – oft im Keller oder auf den Stiegenabsätzen, wo man nicht sofort gesehen wird.

Spritzen, Crackpfeifen und akute Gesundheitsgefahr

Immer wieder finden Mieter verbrannte Alufolien im Stiegenhaus oder Keller. Diese werden zum Konsum harter Drogen wie Heroin verwendet. Die Substanz wird auf die Folie gelegt, erhitzt und die Dämpfe inhaliert. Zurück bleiben Brandspuren und Drogenrückstände. Heroin ist bereits in kleinsten Mengen hochgiftig. Rückstände können über Hautkontakt oder den Mund aufgenommen werden – besonders gefährlich für Kinder, die im Haus leben.

Neben Alufolien bleiben benutzte Spritzen, Joint-Stummel und selbstgebaute Crackpfeifen zurück. Viele Bewohner berichten, dass sie beim Heimkommen zuerst auf den Boden schauen müssen. Die Sorge: Stichverletzungen durch Spritzen. Da diese häufig geteilt werden, besteht das Risiko für Infektionen wie HIV oder Hepatitis.

Warum überall Urin ist

Zusätzlich klagen Bewohner über Urinpfützen und starken Gestank im Stiegenhaus und Keller. Auch das wird mit dem Drogenkonsum in Verbindung gebracht. Unter Einfluss von Drogen verlieren viele Konsumenten Hemmungen oder verspüren starken Harndrang. Nachts sind öffentliche Toiletten geschlossen, das Stiegenhaus wird zur Notlösung. Der Urin bleibt oft stunden- oder tagelang liegen – besonders in schlecht belüfteten Bereichen.

Angst vor gefährlichen Situationen

Neben der gesundheitlichen Gefahr belastet vor allem die Unsicherheit. Bewohner berichten von Begegnungen mit stark berauschten Personen oder Menschen kurz vor dem Konsum, wenn Entzugserscheinungen einsetzen. "Man weiß nicht, wie jemand reagiert", sagt eine Anrainerin.

Aus Angst und Frust haben die Bewohner reagiert. Am Hauseingang hängt nun ein Zettel mit der Aufschrift "Keine Drogen in unserem Gebäude". Daneben ein Schild, das auf ein Drogenkonsumverbot und sofortige Polizeiverständigung hinweist. "Wir wissen, dass das keine echte Lösung ist", sagt ein Bewohner. "Aber wir wollten ein Zeichen setzen."

Eskalation am helllichten Tag

Wie brisant die Situation ist, zeigte ein Vorfall am Nachmittag. Ein 29-jähriger Wiener wollte in einem Nachbarhaus gegen 15.00 Uhr das Gebäude verlassen, als er im Erdgeschoß auf ein Junkie-Pärchen traf. Die beiden saßen auf der Treppe zum Kellerabgang und bereiteten sich einen Schuss vor.

"Die Frau zerkleinerte das Material, der Mann machte die Alufolie bereit", berichtet der Bewohner. Auf seine Frage was sie hier machen, reagierte der Mann ironisch: "Wir spielen nur." Als er mit der Polizei drohte, weigerten sich die beiden zunächst zu gehen. "Lass uns nur kurz den Schuss machen, dann sind wir weg", sagte der Mann. Erst als der Wiener laut wurde und bereits die Polizei anrief, flüchteten sie. Die Frau schrie ihm noch aggressiv nach: "Was stresst du so, du Arsch? Lass uns doch chillen."

Für die Mieter ist klar: So kann es nicht weitergehen. Sie fordern bessere Sicherungen beim Hauseingang und mehr Kontrollen im Grätzel.

Wiener Wohnen bittet um direkte Meldungen

Auf Anfrage von "Heute" erklärt Wiener Wohnen, dass derzeit keine Beschwerden zu Drogenkonsum in dem betroffenen Gemeindebau vorliegen. Auch aus der Vergangenheit seien dem Unternehmen keine entsprechenden Meldungen bekannt.

Sollte es dennoch zu problematischen Situationen kommen, ersucht Wiener Wohnen die Bewohner, sich direkt an die zuständigen Stellen zu wenden. Nur so könne man sich ein Bild der Lage machen und gegebenenfalls reagieren.

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