Ein vermutlich russischer Marschflugkörper hat am Donnerstag im Osten Polens eingeschlagen und die NATO auf den Plan gerufen. Nach dem Vorfall ließ das Militärbündnis mehrere Flugzeuge starten und sicherte Polen Unterstützung beim Schutz des Bündnisgebiets zu.
Nach Angaben eines NATO-Sprechers stiegen zwei polnische F-16-Kampfjets sowie ein Tankflugzeug, ein Aufklärungsflugzeug und ein Hubschrauber auf. Die NATO stehe "in engem Kontakt mit den polnischen Behörden über die Verletzung des polnischen Luftraums".
Auch auf höchster militärischer Ebene wurde reagiert: NATO-Oberbefehlshaber in Europa, US-General Alexus Grynkewich, telefonierte mit dem Chef der polnischen Streitkräfte. Dabei versicherte er, das Bündnis werde "alle nötigen Maßnahmen ergreifen, um NATO-Gebiet zu verteidigen".
Polnische Behörden entdeckten in einem unbewohnten Gebiet im Osten des Landes einen rund zehn Meter großen Krater. Anwohner hatten laut Polizei am Donnerstagmorgen eine laute Explosion gemeldet.
Regierungschef Donald Tusk erklärte, nach ersten Untersuchungen der geborgenen Trümmer handle es sich wahrscheinlich um einen russischen Marschflugkörper des Typs Kh-101.
Der Vorfall ereignete sich nach einer massiven russischen Angriffswelle auf die Ukraine. Nach ukrainischen Angaben feuerte Russland in der Nacht auf Donnerstag 74 Raketen und 284 Drohnen ab. Mindestens acht Menschen wurden dabei getötet. Besonders betroffen war die an Polen grenzende Region Lwiw im Westen der Ukraine.