Mit dem Ramadan stehen auch Wiens Schulen vor organisatorischen und pädagogischen Herausforderungen. Eine Schulleitung aus der Bundeshauptstadt berichtet von einer zunehmenden Dynamik in den vergangenen Jahren.
Im Islam gilt das Fasten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang als religiöse Pflicht. Kinder sind davon grundsätzlich ausgenommen. Laut Schulleitung zeigt sich im Schulalltag jedoch ein anderes Bild: Viele Schülerinnen und Schüler orientierten sich an älteren Vorbildern und entschieden sich dennoch fürs Fasten.
An der betroffenen Mittelschule in Wien stammt ein Großteil der Kinder aus muslimischen Familien. Zwar werde das Thema im Religionsunterricht behandelt, allerdings nähmen nicht alle Kinder daran teil, wodurch pädagogische Einflussmöglichkeiten begrenzt seien.
Als zusätzlichen Faktor nennt die Schulleitung soziale Medien. Dort kursieren zahlreiche Videos von religiösen Influencern, die auch junge Menschen zum Mitmachen animieren.
Die Auswirkungen seien im Unterricht spürbar: Manche Kinder wirken müde, gereizt oder weniger konzentriert. Im Vorjahr sei ein Schüler im Sportunterricht kollabiert. Angebote wie Trinkwasser oder Essen – etwa im Kochunterricht oder bei einer wöchentlichen gesunden Jause – würden von fastenden Kindern häufig abgelehnt.
Beobachtet werde zudem ein gewisser Gruppendruck. Teilweise entwickle sich unter den Schülerinnen und Schülern ein Wettbewerb darüber, wer länger durchhalte. Die Schule setze auf Gespräche mit Kindern und Eltern und versuche Alternativen anzuregen.
Dennoch bleibe die Situation angespannt. Sprachliche Hürden erschweren vielfach die Kommunikation mit den Familien. Gleichzeitig stärkt das gemeinsame Fasten das Gemeinschaftsgefühl unter den Jugendlichen. Während anfangs nur einzelne ältere Schülerinnen und Schüler gefastet hätten, betreffe es inzwischen einen Großteil der Schule, erzählt die Schulleitung.