Erstmals seit 28 Jahren hat sich Österreichs Fußball-Nationalteam wieder für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Am Donnerstag hebt der Flieger in Richtung Kalifornien ab. Mit an Bord ist Teamchef Ralf Rangnick. Der Deutsche führte das ÖFB-Team zur Weltmeisterschaft, wird bei allen Spielen in den USA auf der Bank sitzen.
Und dann? Das ist noch offen. Rangnicks Vertrag mit dem ÖFB läuft nach dem Turnier aus. Österreichs Verband wollte freilich mit dem Erfolgsteamchef verlängern – allerdings bisher vergebens. Derweil herrscht in Italien Aufregung, seitdem durchgesickert ist, dass sich eine Milan-Delegation rund um Klub-Besitzer Gerry Cardinale und Berater Zlatan Ibrahimovic mit dem ÖFB-Teamchef vergangene Woche in Wien getroffen haben soll. Rangnick soll der Wunschkandidat der Klubführung auf den Posten des Technischen Direktors sein. Oliver Glasner, vom Deutschen dem Vernehmen nach vorgeschlagen, sei aktuell der aussichtsreichste Trainer-Kandidat, soll sich am Dienstag ebenso mit einer Delegation der "Rossoneri" getroffen haben. Ebenso im Rennen: Ex-Salzburg-Trainer Matthias Jaissle, den Rangnick ebenso vorgeschlagen haben soll, und der aktuelle US-Teamchef Mauricio Pochettino.
Italien ist jedenfalls in heller Aufregung, zumindest Millionen von Milan-Fans. Deshalb schickte die "Gazzetta dello Sport" auch einen Journalisten zum ÖFB-Testspiel gegen Tunesien am Montagabend. Der sprach auch mit ÖFB-Innenverteidiger Marco Friedl über die Rangnick-Gerüchte. Die Aussagen des Werder-Bremen-Kapitäns rauschen bei unseren südlichen Nachbarn aktuell durch den Blätterwald.
"Ralf Rangnick hat unser Fußballniveau deutlich angehoben. Das hat er als Trainer und davor als Verantwortlicher von Red Bull in Salzburg geschafft. Er hat jedes Team, für das er gearbeitet hat, verbessert. Für uns war er das entscheidende Puzzlestück, um einen Qualitätssprung zu machen", streute der Innenverteidiger dem 67-Jährigen noch Rosen. Und sprach dann auch über das Milan-Interesse: "Ich habe davon gelesen. Er hat mit uns nicht darüber gesprochen, und in der Kabine hoffen wir alle, dass er bei uns bleibt", so der Bremen-Kapitän, der im Test gegen Tunesien die zweite Halbzeit bestritt, eine gute Figur machte.
"Aber", schob Friedl hinterher, "Ich muss sagen, dass er für Milan oder jeden anderen Verein die perfekte Lösung wäre. Das hat er mit seiner langjährigen Arbeit bewiesen. Er hat Feuer in sich, weiß, wie er einer Mannschaft und einem Verein etwas Besonderes geben kann." Und mit Bezug auf eintrudelnde lukrative Angebote für Rangnick meinte Friedl: "Angesichts der Qualität seiner Arbeit halte ich das für unvermeidlich. Ich halte mich da an seine Aussagen, dass sein einziger Ansprechpartner der österreichische Fußballverband ist. Ich weiß nicht, was passieren wird, aber als Milan-Fan würde ich hoffen, dass der Wechsel zustande kommt."
Gerade diese Aussagen schlagen bei unseren Nachbarn hohe Wellen, wurden freilich von der "Gazzetta" aufgegriffen, in Milan-Fanforen heiß diskutiert. Rangnick sei "die perfekte Lösung für Milan" oder als Milan-Fan würde er "hoffen", dass der Deutsche komme – genau diese Passagen werden in verkürzter Form immer wieder verbreitet.
Klar ist jedenfalls: Neben der "Gazzetta", die äußerst intensiv über Rangnick berichtet, haben auch mehrere andere italienische Medien, darunter auch "Tuttosport", bereits enthüllt, dass die Entscheidungen bei Milan in den nächsten 48 bis maximal 72 Stunden fallen sollen – also noch in dieser Woche ein neuer Trainer und ein neuer Sport-Boss gefunden sein sollen. Österreichs Team fliegt am Donnerstagvormittag in die USA. Mit Rangnick an Bord.