Bei seiner schonungslosen WM-Abrechnung machte der ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick klar: Deutschland wäre ihm im Sechzehntelfinale wesentlich lieber gewesen als der spätere Weltmeister Spanien.
Und Rangnick ging sogar noch weiter. Trotz aller Fitnessprobleme und einem ÖFB-Team, das bei der WM nicht in Bestform war, hätte er Österreich gegen die DFB-Elf ein Duell auf Augenhöhe zugetraut.
Österreich bekam es nach der Gruppenphase im Sechzehntelfinale ausgerechnet mit dem späteren Weltmeister Spanien zu tun und musste sich mit 0:3 geschlagen geben. In einem anderen Teil des Turnierbaums hätte sich Rangnick für seine Mannschaft deutlich mehr ausgerechnet – sogar gegen Deutschland.
"Ich sage es, selbst mit diesem Kader, den wir hatten, und dieser Verfassung, in der wir waren, hätten wir im anderen Turnierbaum mehr Chancen gehabt", führte der Teamchef aus.
Dann spielte der 68-Jährige mögliche Gegner durch – und wurde bei seinem Heimatland besonders deutlich. "Wenn ich mir überlege, wir wären nicht gegen Spanien gekommen", begann der Teamchef, um dann auf den Punkt zu kommen: "Selbst gegen Deutschland hätten wir ordentliche Chancen gehabt, das Spiel auf Augenhöhe zu bestreiten."
Zu diesem Duell kam es allerdings nicht. Deutschland erwischte eine enttäuschende Weltmeisterschaft und scheiterte bereits im Sechzehntelfinale, überraschend im Elfmeterschießen, an Paraguay. Österreich musste hingegen gegen den späteren Champion ran. Rangnick will das schwierige Los aber nicht als Ausrede für den eigenen Auftritt gelten lassen.
"Die WM ist so gelaufen, wie wir uns es letztlich erwartet haben. Aber mich interessiert auch die Leistung und die Entwicklung der Mannschaft. Da muss ich sagen, ich war mit der WM nicht zufrieden", resümierte der Teamchef.
Ein großes Thema bei der Aufarbeitung: der körperliche Zustand seiner Spieler. Das ÖFB-Team konnte Rangnicks intensiven Fußball nicht in jener Form auf den Platz bringen, wie es sich der Teamchef vorgestellt hatte. Dabei nimmt sich Rangnick auch selbst in die Pflicht.
Für die kommenden Lehrgänge kündigt der ÖFB-Coach deshalb Konsequenzen an. Im Training soll wieder deutlich mehr Intensität herrschen. "Wenn wir unseren Fußball wieder auf den Platz bringen wollen, dann müssen wir All-in gehen, dann muss es scheppern am Platz. Im Nachhinein haben wir während der WM nicht genügend Einheiten eingebaut, wo es richtig gescheppert hat", gab Rangnick ehrlich zu.
Die Marschroute nach der WM ist damit klar: Rangnick will zurück zu jenem aggressiven, laufintensiven Fußball, der Österreich in den vergangenen Jahren ausgezeichnet hat.