Rapid-Legende Peter Schöttel! Der 45-Jährige war in Hütteldorf als Spieler Meister, dann als Sportdirektor, jetzt soll dieses Kunststück als Trainer gelingen. Vor Beginn seiner zweiten Saison als Chefcoach in Grün-Weiß steht er Frenkie Schinkels Rede und Antwort: über die Fehler von Titelfavorit Salzburg, Parallelen zu Europameister Spanien, Probleme mit Schiedsrichtern und neu gewonnenes Selbstvertrauen.
Schinkels: "Salzburg verliert 0:1 in Düdelingen. Bist du deshalb so gut aufgelegt?" Schöttel: "Nein, sondern weil wir gegen Roma ein richtig gutes Spiel gemacht haben – trotz Niederlage. Und weil die Stimmung im Stadion eine ganz andere ist als noch vor einem Jahr. Die Fans stehen wieder hinter uns." Die Fans wollen den Titel. "Ich weiß, dass sie den wollen – ich auch. Wir werden alles versuchen, dieses Ziel zu erreichen. Favorit bleibt aber Salzburg. Das 0:1 in Düdelingen ändert nichts daran."
Also alles gut in Salzburg? "Nein! Was nicht gut ist, ist die permanente Änderung der Philosophie. Erst der Wechsel vom defensivsten aller Trainer Trapattoni zum offensivsten, Adriaanse. Dann wieder zurück zum zweitdefensivsten, Stevens, dann zu Moniz – und jetzt wieder die deutsche Linie."
Was ist bei Rapid heuer besser? "Wir haben die Defensive stabilisiert, jetzt wollen wir attraktiver spielen, besser von hinten heraus. Das Team ist eingespielter, ruhiger, selbstbewusster. Dazu haben wir uns gut verstärkt."
Boyd hat eingeschlagen. Wie lief seine Verpflichtung ab? "Ich habe Andi Herzog gefragt: Hast du für mich einen Amerikaner, der die Welt zerreißen will, aber dennoch für uns leistbar ist? Und er hat Boyd empfohlen. Bei Beobachtungen war uns schnell klar: Das ist einer für das Hanappi-Stadion." Mit Boyd und Alar hast du nur zwei echte Spitzen – ein Problem? "Nein, wir haben so viele gute offensive Mittelfeldspieler, die diese Rolle ausfüllen könnten."
Wie Spanien bei der EM? "Auch so ein System, ohne echten Stürmer, ist vorstellbar. Ich habe keine fixe Elf. Es wird bei hoffentlich vielen englischen Wochen für uns immer wieder Änderungen geben." Angenommen, das Geld wäre da, wen würdest du holen? "Keinen, der Kader ist gut."
Wie würde ein Sportdirektor Peter Schöttel "seinen" Trainer Peter Schöttel beschreiben? "Der Trainer Schöttel ist ein Teamplayer, kein Selbstdarsteller. Er versucht, Spieler und Verein nach vorne zu bringen." Probleme hat er manchmal mit den Schiedsrichtern … "Nur mit dem ‚Vierten‘ an der Linie – dessen Rolle habe ich noch nicht ganz durchschaut. Aber generell weiß ich, wie schwer es ist, ein Spiel zu leiten."