Rapid-Fans haben aus Platzsturm gelernt

Bild: Hertel
Kommentar zur aktuellen Rapid-Krise von Markus Miksch.

In wenigen Wochen jährt sich der Derby-Platzsturm im Hanappi-Stadion zum zweiten Mal. Damals wie heute hatte Rapid ein sportliches Tief und das Management stand in der Kritik. Vor zwei Jahren wurde allerdings eine Grenze überschritten. Wären die Fans aufs Spielfeld gestürmt und hätten dort einen Sitzstreik veranstaltet, hätte das zwar nicht jeder gutgeheißen, zu Schaden wären aber höchstens ein paar Grashalme gekommen. Dafür wäre die Botschaft angekommen.

So wurden die Probleme von den Krawallen aus den Medien vertrieben. Monatelang waren die Vorgänge in den Fankurven das beherrschende Thema. Rapid warf Krawallmacher aus dem Stadion, strukturierte das Fanservice neu. Sonst blieb alles beim Alten. Konnten die Hütteldorfer in der Saison eins nach Platzsturm auch dank der schwachen Konkurrenz noch Vizemeister werden, ging es ein Jahr später bergab.

Die Qualifikation für die Europa League sollte das einzige Highlight bleiben. Es folgten lustlose Darbietungen auf dem Feld, ein zu dünner Kader, schlechte Bilanzmeldungen, peinliches Cup-Aus, Zuschauerschwund, Fanproteste, ungelöste Stadionproblematik, trotz fünf Startplätzen muss man um die Europacup-Quali zittern. Dann goss ein Internet-Blogger auch noch Öl ins Feuer, indem er in einem Artikel das Management rund um Kuhn und Ebner anpatzte, ohne richtig konkret zu werden. Seither sind die beiden das Hauptziel des Protests, der allerdings Kultur und Witz hat.

Die Fanszene hat trotz des Anstachelns von außen erkannt, dass mit Gewalt nichts zu erreichen ist. So verlief die Demo vor dem Spiel gegen Wiener Neustadt vollkommen gesittet, wenngleich man über die Wortwahl mancher Sprüche und Transparente diskutieren kann. Kreativer Höhepunkt des friedlichen Protests: Das nächtliche Zumauern der Rapid-Geschäftsstelle. Die Folge: In den Medien wird über die Probleme in Rapids Chefetage berichtet. Journalisten fragen nach, was zu diesem Unmut geführt hat und stellen nicht mehr eine Fankurve kollektiv an die Wand.

Rapid-Fans, diesmal habt ihr es richtig gemacht. Offensichtlich hat die Fanszene aus den Folgen des Platzsturms wirklich etwas gelernt.

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