Sport

Rapid gegen Kiew - Je jünger, desto besser?

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:51

Mit einem Last-Minute-Tor sicherte sich Rapid am Donnerstagabend im Wiener Ernst-Happel-Stadion den ersten Punkt in der neuen Saison der Europa League. Wichtigste Erkenntnis für die Hütteldorfer Boygroup beim 2:2 gegen Dynamo Kiew: Geld und Erfahrung sind für Erfolg im Fußball nicht ausschlaggebend. Guido Burgstaller musste für dieses Wissen teuer bezahlen, der Schütze zum 1:2-Anschlusstreffer verletzte sich. Steffen Hofmann durfte nur zuschauen.

: Geld und Erfahrung sind für Erfolg im Fußball nicht ausschlaggebend. Guido Burgstaller musste für dieses Wissen teuer bezahlen, der Schütze zum 1:2-Anschlusstreffer verletzte sich. Steffen Hofmann durfte nur zuschauen.

zufolge einen Bänderriss im Sprunggelenk zu, trägt eine Woche lang Gips und danach eine Schiene. Der Kärntner fällt sechs Wochen aus und fehlt damit unter anderem beim Auswärtspiel in Genk (24. Oktober) sowie bei den beiden Entscheidungsspielen des ÖFB-Teams gegen Schweden und die Färöer-Inseln.

Passiert ist die Verletzung ausgerechnet im Zweikampf mit Nationalteamkollege Aleksandar Dragovic in Diensten von Dynamo. "Dragovic hat mir den Ball auf den Fuß geschossen und ich bin umgeknickt", beschrieb Burgstaller den unglücklichen Zwischenfall in Minute 74.

21 Minuten davor hatte er bei den meisten der 34.800 Zuschauer sowie seinen zehn Mitspielern Euphorie und Hoffnung entfacht. Nach einem Doppelpass zwischen Marcel Sabitzer und Stephan Palla verwandelte er die Hereingabe volley zum zwischenzeitlichen 1:2. Christopher Trimmel – ebenfalls nach einer Palla-Flanke – erlöste die Fans mit einem Kopfballtor in der 94. Minute. "Gottseidank ist uns das gelungen", weiß er um die Wichtigkeit des Tores. Mit einem Punkt gegen den Favoriten in der Gruppe G bleiben die Grün-Weißen im Rennen um den Aufstieg ().

Barisic zockt

Dafür mussten die Rapidler ordentlich kämpfen und mutig sein. So wie auch Zoran Barisic. Die Startelf, die der Rapid-Trainer ins Match mit der Millionen-Truppe aus der Ukraine schickte, hatte einen Altersschnitt von gerade einmal 23 Jahren. Mit dem verletzungsbedingten Austausch von Burgstaller für Lukas Grozurek (der einzige Rapid-Wechsel im ganzen Spiel) sank der Schnitt sogar auf 22,7 Jahre. Kapitän Steffen Hofmann und auch Branko Boskovic sahen die komplette Partie nur von der Bank oder vom Aufwärmbereich.

Der Montenegriner sei noch nicht so lange zurück im Training und "Steffen Hofmann hat einen leichten Hänger", erklärte Barisic. "Es kommt vor, dass man ein Formtief hat. Er setzt sich selbst am meisten unter Druck, den wollte ich ihm heute nehmen und bedeutet weiter nichts." Sportdirektor Helmut Schulte fügte hinzu: "Steffen ist nicht so in Form, weil er oft von Verletzungen gehandicapt ist. Er hat noch nicht die Kraft, sein Spiel über 90 Minuten zu bringen."

Nervöser Beginn

Schwieriger wäre die Nichteinwechslung zu erklären gewesen, wenn die Taktik nicht aufgegangen wäre. Und danach sah es in der ersten Halbzeit auch aus. "Viele Spieler haben noch nicht auf diesem Niveau gespielt, deswegen war die Mannschaft auch zu Beginn ein wenig nervös", beschrieb Barisic den holprigen Start seiner Elf. Schon in der 14. Minute hatte Dynamos Lens, der auch in der zweiten Halbzeit eine "Hundertprozentige" ausließ, die erste Riesenchance zur Führung.

"Dann wurde es besser und dann haben sie gemerkt, dass sie auch ganz gute Fußballer sind", meinte Barisic. Rapid konnte das Spiel einige Zeit offen halten, aber dann zeigte Kiew sein Potential und ging in der 30. Minute durch Jarmolenko in Führung. Ein kurioses Eigentor von Christopher Dibon vier Minuten später ließ zumindest unter vielen Zusehern die Hoffnung auf einen Punkt schwinden.

Rapid gab nicht auf

"Jeder Fehler wurde bestraft. Ganz wichtig war, dass wir uns dadurch nicht entmutigen ließen und dann den Willen hatten, dieses Spiel herumzureißen", lobte Barisic, der in der Halbzeitpause offensichtlich die richtigen Worte fand. Seine Mannschaft präsentierte sich wie ausgewechselt und konnte Dynamo auf weite Strecken in Schach halten. "Wir wussten, wir konnten nur noch gewinnen. Ich bin froh, dass wir für unsere harte Arbeit belohnt worden sind", meinte Terrence Boyd und Last-Minute-Torschütze Trimmel stimmte zu: "Wir sind volles Risiko gegangen und das ist zum Glück aufgegangen."

Dragovic enttäuscht

Während Rapid über das Remis jubelte, hängten bei Dragovic und seinen Teamkameraden die Köpfe tief. Der als Gruppensieger gehandelte Klub aus der Ukraine steht nach zwei Spielen am letzten Platz. Bis eine Minute vor dem Ende sah die Welt noch anders aus. "Die erste Hälfte war sehr, sehr gut. Aufgrund der zweiten Hälfte haben wir uns den Sieg aber sicher nicht verdient. Wir müssen uns selbst an die Nase fassen. Ich habe keine Ahnung, warum wir so eingebrochen sind", war Dragovic enttäuscht.

Für den Innenverteidiger, der über die komplette Distanz spielte, "ist die Enttäuschung groß, dass wir nach dem 2:0 nur 2:2 gespielt haben". Dragovic, der aufgrund seiner Vergangenheit bei der Wiener Austria von einigen Rapidfans beschimpft und ausgepfiffen wurde, sprach von einem "speziellen Match" - wollte es damit aber auf sich beruhen lassen: "Die Rapid-Fans haben ihre Mannschaft unterstützt, ich habe mich auf mein Spiel konzentriert."

Sonntag nach Wiener Neustadt

Schon am Sonntag (19 Uhr) steht für Rapid das nächste Meisterschaftsspiel in Wiener Neustadt auf dem Programm. Es wird spannend, wie die Hütteldorfer nach der kräftezehrenden Partie auftreten werden und wie Barisic auf den Ausfall von Burgstaller reagieren wird.

MM

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