Am 1. September 2024 begann eine abenteuerliche Reise. Die Frauen-Mannschaft von Rapid bestritt ihr erstes Pflichtspiel – und gewann in der Landesliga auswärts gegen Essling mit 11:0.
Zwei Aufstiege später stehen die Hütteldorferinnen vor einem weiteren Meilenstein. Am Sonntag um 15 Uhr schnuppern die grün-weißen Damen bei der Vienna erstmals Bundesliga-Luft.
Was ist von der Premierensaison im Oberhaus zu erwarten, wann steigt das große Derby und bricht nun der große Reichtum aus? Darüber unterhielt sich "Heute" mit Rapid-Kapitänin Sandrina Haupt.
Die Rapid-Frauen haben den Durchmarsch von der dritten Liga in die Bundesliga geschafft. Wie fühlt es sich an, am Ziel zu sein?
"Wir sind noch lange nicht am Ziel angekommen. Aber natürlich, in den ersten drei Jahren gleich zwei Mal aufzusteigen, das hört sich natürlich super an. Und da kann man schon stolz drauf sein."
Es ging bisher steil bergauf. Wie sieht die Zielsetzung für die Bundesliga aus?
"Uns ist bewusst, dass wir als Underdog starten, das heißt, die Rolle der Aufsteigerinnen kann man so stehen lassen. Das erste Bundesliga-Jahr ist nie einfach, egal für welches Team. Bis jetzt waren wir meist die spielbestimmende Mannschaft. Uns ist bewusst, dass das jetzt nicht immer so sein wird."
Sie sprechen es an. Bis jetzt hat Rapid von der Offensive gelebt. In der Bundesliga wird es eher umgekehrt sein und auf die Defensive ankommen. Habt ihr das Training entsprechend umgestellt?
"Man muss eine gewisse Balance finden. Ich glaube, dass wir tatsächlich von Spiel zu Spiel schauen müssen, auch darauf, wie die gegnerischen Teams ihren Fokus legen."
Frauen-Bundesliga, 1. Runde:
Austria – St. Pölten (1.8., 14:00 Uhr)
Salzburg – Südburgenland/Hartberg (1.8., 14:30 Uhr)
Sturm Graz – Altach (1.8., 14:30 Uhr)
BW Linz/Kleinmünchen – LASK (1.8., 17:00 Uhr)
Vienna – Rapid (2.8., 15:00 Uhr)
Was ändert sich an der Intensität beim Training? Habt ihr jetzt mehr Einheiten?
"Wir haben derzeit vier Mal die Woche Training. Natürlich ist die Trainingssteuerung ein großes Thema. Studium, Arbeit, Erholungsphasen – das muss alles noch genauer strukturiert werden. Ich finde, dass unsere Coaches das richtig gut machen. Wir haben auch eine App, wo wir angeben können, wie erschöpft wir sind. Dann kann die Steuerung noch genauer stattfinden."
Seid ihr bei Rapid durch die Bank Vollprofis in der Bundesliga?
"Jein. Also wir haben schon einen Vertrag, aber ob man uns deshalb als Profis betiteln kann? Jeder versteht etwas anderes darunter."
Anders gefragt: Können Sie vom Fußball allein leben?
"Nein, das geht sich nicht aus. Deshalb arbeite ich nebenbei als Elementarpädagogin im Kindergarten. Wobei 'nebenbei' eigentlich das falsche Wort ist – ich arbeite Vollzeit."
Das geht sich aus?
"Ja, man entwickelt eine Routine, dass es sich ausgeht."
Rapid startet am Sonntag auswärts gegen die Vienna in die Saison. Wie ist die Gefühlslage vor der Bundesliga-Premiere?
"Ich verspüre große Vorfreude. Der Auftakt ist natürlich etwas Besonderes. Und dann gleich noch ein kleines Derby. Ich glaube, das ist schon etwas Besonderes. Aber wir sehen jedes Spiel in der Bundesliga als Highlight. Ganz egal, wer der Gegner ist. Es ist eben unsere Premieren-Saison."
Und dennoch gibt es eine Partie, die heraussticht – das Duell mit der Austria. Kann dieses Match wie bei den Herren zum Klassiker werden?
"Ich glaube, dass es durch die Fanbase beider Teams ein spezielles Duell sein wird. Das kann man nicht verneinen, das ist ja auch nichts Schlechtes. Ich hoffe, dass der Frauenfußball davon profitieren kann."
Die Rapid-Herren haben viele Fans. Kommen die auch zu den Frauen-Spielen?
"Es gibt sicher kleine Überschneidungen. Ich denke, dass wir schon viele neue Fans begeistern konnten. Ich hoffe natürlich, dass das schrittweise noch mehr wird. Und dass es trotzdem positiv bleibt."
Den ersten Rapid-Frauen-Fanclub gibt es ja bereits.
"Und er soll nicht der einzige bleiben. Ich hoffe, dass die gesamte Liga, der gesamte Frauenfußball von uns profitieren kann."
Zurück zur Saison: Was ist für Rapid heuer realistisch betrachtet möglich?
"Wir legen den Fokus wirklich auf das Etablieren, auf das Ankommen. Wir wollen zeigen, dass wir mithalten können. Wir wollen uns beweisen. Alles Weitere wird sich zeigen. Aber im Fokus steht jetzt trotzdem, dass wir als Team wachsen. Und dass wir unsere Trainingseinstellungen auf den Platz bringen können, wenn es um Punkte geht."
Die Rapid-Frauen haben kaum Erfahrungen mit Niederlagen. Haben Sie die Sorge, dass die Stimmung kippt, wenn es mal zwei, drei Spiele in Serie nicht klappt?
"Natürlich macht man sich auch solche Gedanken. Aber wir arbeiten mit unserer Sportpsychologin viel im mentalen Bereich. Wie können wir mit Niederlagen oder Drucksituationen umgehen? Was würde uns helfen? Wir sind da als Team viel im Austausch. Ich glaube, dass das ein entscheidender Faktor sein wird, um eine konstante Leistung zu bringen."
"Mission 1" der Frauen oder "Mission 33" der Männer – was passiert früher?
"Schwierige Frage. Es wäre natürlich schön, wenn es beide gleichzeitig schaffen. Dann könnte man gemeinsam eine Meisterfeier machen."
Haben Sie sportliche Vorbilder?
"Im Frauenfußball würde ich sagen, Alexia Putellas und Alessia Russo. Und im Männerfußball ist es Xavi Simons."
Habt ihr Berührungspunkte mit dem Rapid-Herren-Team?
"Steffen Hofmann kommt immer wieder zu den Trainings zuschauen und erkundigt sich, ob es uns gut geht. Mit der Mannschaft haben wir weniger Kontakt, weil wir ganz andere Trainingszeiten haben und uns eigentlich nie sehen."
Sie sind Kapitänin von Rapid. Können Sie sich noch an den Moment erinnern, als Sie es erfahren haben?
"Im ersten Jahr wurde ich von unserer Trainerin Katja Gürtler gefragt, ob ich Teil des Kapitänsteams sein möchte. Ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass sie mir die Wertschätzung und das Vertrauen schenkt. Im ersten Trainingslager im Sommer gab es dann eine interne Kapitänswahl, es war wie in einem Wahllokal. Ich hatte die meisten Stimmen und habe mich enorm darüber gefreut, dass das Team mir vertraut."