Rapid-Kapitän Hofmann: "Mich ärgert violette U2"

Noch zwei Spiele. Dann darf sich Steffen Hofmann Rekord-Rapidler nennen. "Heute" bat die Legende vorab zum Interview – in der U-Bahn.

"Zwicken? Brauche ich nicht", sagt Steffen Hofmann, als er von "Heute" an den Fahrschein erinnert wird. "Ich habe schon lange eine Jahreskarte." Unglaublich: Der Fußballgott fährt tatsächlich mit der U-Bahn zum Training. Nahezu täglich. "Außer, ich muss die Kinder abholen. Und im Sommer nehme ich ab und zu die Vespa."

Doch warum fährt ein Topverdiener wie er nicht mit dem Dienstwagen? "Ich habe natürlich ein Auto, gemeinsam mit meiner Frau sogar zwei. Aber für mich ist es wirklich angenehm mit den Öffis. Ich weiß, wann ich ankomme, muss mich nicht auf den Verkehr konzentrieren. Nur die Farbe der U2 stört."

"Schöttel wird es verkraften"

Seit 15 Jahren lebt und kickt Hofmann in Wien. 525 Partien hat er für Rapid bestritten. Noch hält Peter Schöttel mit 527 den Rekord. "Er meint ja, seine Jugendspiele sollten auch zählen", scherzt der 36-jährige Routinier. "Er wird es sicher verkraften, wenn ich es wirklich schaffen sollte."

Zurück in der U-Bahn. Immer wieder streifen Hofmann Blicke von interessierten Fahrgästen. "Selfie- und Autogramm-Wünsche kommen natürlich vor", erzählt er. Und wie reagieren Austria-Anhänger? "Es war noch nie eine ungute Situation dabei", versichert der Kicker, der als "Bahn-Highlight" folgende Episode zum besten gibt: "Ich habe mal verbotenerweise mit meiner Tochter vorne mitfahren dürfen. Der Fahrer war anscheinend großer Rapid-Fan."

"Das 7:0 in Salzburg vergisst man nicht"

Hofmanns Karriere ist vollgepflastert mit emotionalen Momenten. "Das 7:0 in Salzburg, 2005 der Einzug in die Champions League gegen Lok Moskau, die Spiele gegen Aston Villa. Auch das erste Mal Kasan, als wir auswärts 3:0 gewonnen haben und ich zwei Tore gemacht habe – das vergisst man nicht."

Totti-Trikot hängt in der Wohnung

Getauschte Trikots erinnern ihn an einige dieser Meilensteine. "In meiner Wohnung hängen aber nur sechs. Von Totti, Thuram, Emerson, Ze Roberto, Hulk und Hargreaves."

"Heute" zeigt dem Publikumsliebling während der Fahrt Bilder weiterer Wegbegleiter. Unter anderen: Pepi Hickersberger. "Er war mein persönlich wichtigster Trainer. Er hat mich mit 22 zum Kapitän gemacht, was mich emotional noch mehr an den Verein gebunden hat. Mit ihm bin ich noch immer in Kontakt. Ein toller Mensch, mit dem man gerne redet."

Großes Lob an Edlinger

Auch für Ex-Präsident Rudi Edlinger ist er voll des Lobes. "Er hat mich damals mehr oder weniger in Eigenregie von 1860 München zurück nach Wien geholt." Und über Andreas Herzog, mit dem Hofmann sogar noch zusammenspielte, sagt er: "Er war sehr wichtig für mich, als ich gekommen bin. Ich war sehr jung. Er war ein Spieler, zu dem man aufschauen konnte. Er hat mir immer geholfen, wenn ich was gebraucht habe. Dafür bin ich ihm heute noch sehr dankbar."

"Frau weiß über meine Zukunft Bescheid"

Die U-Bahn nähert sich Hofmanns Endstation – dem Happel-Stadion, wo das Training steigt. Ist auch bei der Karriere ein Ende in Sicht? "Es gibt eine Tendenz, meine Frau weiß schon Bescheid. Schauen wir, was in den nächsten Wochen passiert", orakelt der Würzburger. "Letztens habe ich vor den Kindern mal angedeutet, dass der Papa irgendwann aufhören muss. Die Antwort war: 'Dann bist du aber nicht mehr so cool.' Zum Glück kam der Nachsatz: 'Als Papa bist du aber immer cool.'"

Vom neuen Rapid-Coach, sofern einer kommt, will der zweifache Meister seine Entscheidung nicht abhängig machen. "Es wird vermutlich keiner Trainer werden, den ich schon hatte. Außer Goran Djuricin bleibt. Von dem her kann ich auch nicht vorab sagen, ob ich mit ihm kann oder nicht."

Nicht wirklich konnte Hofmann mit Damir Canadi, der den Evergreen meist auf die Bank verbannte – und so den möglichen Einsatz-Rekord arg gefährdete. "Zwischenteitlich dachte ich, dass es sich heuer nicht mehr ausgeht. Aber es steht ja noch nicht fest, ob ich noch ein Jahr dranhänge. Es war natürlich ein schwieriges Jahr. Dass ich nicht immer vom Start weg spiele, ist aber etwas, womit ich mittlerweile leben kann."

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