Hurensohn, Fadenkreuz – Rapid verteidigt Fans

In der deutschen Bundesliga sorgen böse Anfeindungen gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp für Unverständnis bei Bossen und Spielern. Auch im Fanblock von Rapid kam es immer wieder zu Hass-Plakaten. So reagieren die Hütteldorfer jetzt.

"Kritische Auseinandersetzung muss möglich sein, denn Meinungsfreiheit endet nicht an den Stadiontoren. Auch wenn möglicherweise nicht jeder Inhalt geteilt wird, die gesetzlichen Bestimmungen bilden dabei den Rahmen", meint Geschäftsführer Christoph Peschek auf "Heute"-Nachfrage – und erteilt damit Fadenkreuz-Plakaten und groben Beleidigungen keine klare Absage.

Der Blick nach Deutschland: Schon am 22. Februar war in Mönchengladbach der Hoffenheim-Mäzen angefeindet worden. Auf einem Plakat war Hopp im Fadenkreuz zu sehen, Spruchbänder beleidigten ihn als "Hurensohn".

Dann die Eskalation am vergangenen Wochenende. In Dortmund war der DFB ins Fadenkreuz genommen worden, üble Gesänge gegen Hopp verstummten erst nach einer Durchsage des Stadionsprechers. In Köln tauchten genauso "Hurensohn"-Plakate auf, wie bei Union Berlin. In Hannover war auch Didi Mateschitz ins Fadenkreuz genommen worden war. Und beim Bayern-Gastspiel gegen Hoffenheim stand die Partie nach zwei Unterbrechungen kurz vor dem Abbruch. Die Spieler protestierten auf dem Rasen gegen die eigenen Fans.

Die Reaktion der Verantwortlichen war jedenfalls einstimmig. Bayerns Vorstand Karl-Heinz Rummenigge erklärte, mit aller Schärfe gegen die eigenen Fans vorzugehen, bezeichnete die geschmacklosen Anfeindungen als "das hässliche Gesicht des FC Bayern München." Selbst die Spieler rund um Kapitän Manuel Neuer stellten sich gegen den Münchner Block.

Ähnliche Äußerungen kamen auch aus den anderen Stadien. Union-Kapitän und ÖFB-Legionär Christopher Trimmel stellte sich klar gegen die Fans: "Wir unterstützen diese Plakate nicht. Die wollen wir nicht sehen. Das habe ich auch geäußert."

Hintergrund der Anfeindungen des Hoffenheim-Machers. Nach neuerlichen Beschimpfungen gegen Hopp waren die Dortmund-Fans für zwei Auswärtsspiele bei Hoffenheim aus dem Stadion verbannt worden. Diese Kollektivstrafe lehnen die Ultras-Gruppierungen ab. Auch, weil der DFB erklärte, keine Kollektivstrafen aussprechen zu wollen.

Solidarisierung für den deutschen Protest kam am Sonntag auch aus Hütteldorf. Der Block West – selbst nicht zimperlich mit Beschimpfungen wie gegen Ex-Spieler Maxi Wöber ("Hurensohn") oder den damaligen Innenminister Herbert Kickl, der ins Fadenkreuz genommen worden war – verlangt von der Bundesliga und dem ÖFB, sich nicht vom "Hurensohn-Virus" anstecken zu lassen. In Zeiten des Coronavirus gleich doppelt geschmacklos.

Dazu Peschek: "Pauschal-Verurteilungen von Fans dienen der Sache nicht. Vergleiche mit verbrecherischen Rassismus-Attentaten, wie sie vereinzelt gezogen wurden, sind hinsichtlich der Transparente in deutschen Stadien ebenso wenig nachvollziehbar wie persönliche Diffamierungen und Beleidigungen."

"Selbstverständlich ist die Verunglimpfung und grobe Beleidigung von Personen samt Familien abzulehnen", so Peschek, der aber ergänzte: "In diesem Zusammenhang interpretiere ich das Spruchband im Block West am vergangenen Sonntag als zugespitzten Aufruf zu einer Versachlichung der Diskussionen und für weniger Polemik. Es gibt Anliegen, die ich teile: Die Ablehnung vieler Fans gegen die Abschaffung von 50+1 und von Investoren, die letztlich immer an Rendite interessiert sind und dabei oftmals auf die Identität und Kultur eines Vereins keine Rücksicht nehmen, sowie von Kollektivstrafen." Außerdem seien Stehplätze, verbilligte Eintrittskarten und fanfreundliche Anstoßzeiten ein Thema. Diese Sorgen müssen ernstgenommen werden, persönliche Beleidigungen sind selbstverständlich abzulehnen."

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