Rapidfans in U-Haft: Ex-Ultras-Capo darunter

Bild: GEPA pictures
Knapp fünf Monate nach Ausschreitungen im Anschluss an das Testspiel zwischen Rapid Wien und dem 1. FC Nürnberg im Hanappi-Stadion sind fünf Fans der Hütteldorfer in U-Haft genommen worden. Wie am Donnerstag bekannt wurde, waren alle Verdächtigen bereits in der Causa Westbahnhof rechtskräftig verurteilt worden, darunter auch der damals federführende Ex-Ultras-Chef Oliver P. Angeblich waren bei den Randalen 500 Fans beider Teams beteiligt, mindestens 17 Polizisten und Ordner wurden laut Polizei verletzt.
Angeblich waren bei den Randalen 500 Fans beider Teams beteiligt, mindestens 17 Polizisten und Ordner wurden laut Polizei verletzt.

Rapid hatte das freundschaftliche Heimspiel am 7. September 2013 mit 1:3 (1:1) verloren. Geraume Zeit nach dem Abpfiff sollen 500 Anhänger beider Vereine außerhalb des Stadions die Polizei attackiert haben. Die Ultras von Rapid und Nürnberg verbindet eine enge Fanfreundschaft. Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen die Rapid-Fans wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung, gefährlicher Drohung, Widerstands gegen die Staatsgewalt und schwerer Sachbeschädigung.

Fünf der sechs am Dienstag Festgenommenen wurden in U-Haft genommen. Diese wird mit Tatbegehungs- und Verdunkelungsgefahr begründet. Sämtliche in U-Haft genommene Verdächtige - darunter auch der ehemalige Ultras-Chef Oliver P. - waren bereits an den Ausschreitungen am Wiener Westbahnhof vom Mai 2009 beteiligt und sind deswegen rechtskräftig wegen Landfriedensbruchs verurteilt worden.

Rapid in der Kritik

Offensichtlich hinderte das den SK Rapid nicht daran, den somit amtsbekannten Gewalttätern weiterhin Zugang zum Hanappi-Stadion zu gewähren - ein Umstand, der bei der Justiz für Kopfschütteln sorgt.

Marcus Januschke, der Rechtsbeistand von Oliver P., versicherte, sein Mandant habe die ihm angelasteten strafbaren Handlungen nicht begangen: "Er war beim Spiel im Stadion. Aber er war bei den Ausschreitungen nicht dabei." Oliver P. wird vor allem von Video-Material und Fotos belastet. Für Januschke handelt es dabei "bloß um Mutmaßungen, dass es da zu Gewalttätigkeiten gekommen ist".

Anwalt: "Nur mit Händen gestikuliert"

Sein Mandant habe mit Ordnern geredet und dabei "mit den Händen gestikuliert. Es ist weder zu einem Stoßen noch zu einem Schlagen gekommen". Der Anwalt kündigte an, das mit der zeugenschaftlichen Befragung der betreffenden Ordner und weiteren Beweismitteln nachweisen zu wollen.

Oliver P. wurde für seine federführende Beteiligung an Gewalttätigkeiten am Wiener Westbahnhof - Dutzende Rapid-Fans hatten im Mai 2009 von einem Auswärtsmatch heimkehrende Austria Wien-Anhänger empfangen und die einschreitenden Polizeikräfte angegriffen - im vergangenen Juni rechtskräftig zu 14 Monate unbedingter Haft verurteilt.

Am Dienstag hätte Oliver P. Fußfessel bekommen

Ins Gefängnis wäre er allerdings nicht gekommen, wäre er danach dem Hanappi-Stadion ferngeblieben: Der von seinem Anwalt beantragte elektronisch überwachte Hausarrest wurde ausgerechnet am vergangenen Dienstag und damit just an jenem Tag bewilligt, an dem Oliver P. wegen des neuen Tatverdachts erneut festgenommen wurde. Statt mit der Fußfessel zu Hause befindet er sich nun in einer Zelle in der Justizanstalt Wien-Josefstadt.

Ein Fan entging U-Haft

Ein 43 Jahre alter Mann, der am vergangenen Dienstag ebenfalls festgenommen worden war, wurde gegen gelindere Mittel enthaftet. Seinen Verteidigern Lukas Kollmann und Philipp Wolm gelang es, den Verdächtigen freizuboxen. Der Haftrichter erteilte diesem die Weisungen, sich bei Matches im Hanappi-Stadion bis auf Weiteres mindestens 100 Meter von der Spielstätte entfernt zu halten und keinen Kontakt zu organisierten Fan-Gruppen mehr aufzunehmen.

 

So lief der Abend laut Polizei ab

Die Attacken liefen in drei Phasen ab. Sie nahmen am Süd/Osteingang ihren Anfang, verlagerten sich vor die Westtribüne und endeten gegen 20.30 Uhr vor dem VIP-Bereich, wo vor allem gegen Beamte der Sondereinheit WEGA vorgegangen wurde. Mindestens zehn Polizisten und sieben Ordner sollen - teilweise schwere - Verletzungen davongetragen haben. Nach dem Spiel hatte die Exekutive noch berichtet, es habe eine Festnahme, aber keine Verletzten gegeben.

Zunächst sollen sich gegen 18.25 Uhr in einem unweit vom Stadion gelegenen Parkhaus und auf einem Parkplatz 150 Hooligans "zusammengerottet" und mit diversen Wurfgegenständen bewaffnet haben. Polizeibeamte und Ordner sollen mit Heurigenbänken, Mülleimern, Glasflaschen, Steinen, Werbeständern und pyrotechnischen Gegenständen beworfen bzw. beschossen worden sein.

Die Sicherheitskräfte dürften anfangs vom Ausmaß der Gewaltbereitschaft überrascht worden sein. Einige Polizisten "konnten sich nur ins Stadion retten und mit Anwendung des Einsatzstockes und Pfeffersprays laufend die Flucht ergreifen", heißt es im Bericht. Davonlaufende Ordner sollen von den Angreifern verfolgt und attackiert worden sein. Im Stadion sollen Schäden in der Höhe von 20.000 Euro entstanden sein, es wurden auch zehn Polizeiautos demoliert.

So lief der Abend aus Sicht der "Rechtshilfe Rapid" ab

Der Obmann des Vereins "Rechtshilfe Rapid" kritisierte am Donnerstag das Vorgehen der Strafverfolgungsbehörden und sprach von einer "Form der Vorverurteilung". In Wahrheit habe "die Polizei ein fröhliches Fußballfest von zwei eng befreundeten Vereinen ins Chaos geprügelt". Beim Obmann hatte am Dienstag eine Hausdurchsuchung stattgefunden, unter anderem wurden ein Handy, zwei Laptops sowie mehrere Datenträger beschlagnahmt.
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