Prozess in St. Pölten

Raub, Schüsse auf Polizei – lebenslange Haft für Mann

Die drei Angeklagten, einer von ihnen saß bereits wegen eines Security-Mordes lange in Haft, mussten in St. Pölten vor Gericht.
Erich Wessely
12.08.2026, 14:47
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Drei Männer, geboren 1976, 1967 und 1970 mussten sich am Mittwoch wegen des Verbrechens des schweren Raubes, davon ein Mann wegen des Verbrechens des versuchten Mordes (gegen Polizeibeamte) und des versuchten Widerstandes gegen die Staatsgewalt, vor Gericht in St. Pölten verantworten. Zudem wurde wegen des Vergehens nach dem Waffengesetz verhandelt.

Bereits am 25. Februar 2026 war verhandelt worden, nun wurde der Prozess fortgesetzt.

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Nach abgeschlossener Ermittlungsarbeit waren die Fahnder Anfang des Jahres mit Details zu dem spektakulären Fall vom 5. September 2025 an die Öffentlichkeit gegangen: Damals drangen drei maskierte Männer gegen 6.50 Uhr in ein Wohnhaus in Amstetten (NÖ) ein. Die Täter, bewaffnet mit einer Faustfeuerwaffe und einer Eisenstange, überraschten die 74-jährige Bewohnerin.

Doch da läutete ein Paketbote

Sie bedrohten die Frau, drückten sie zu Boden und verlangten Bargeld. Die wehrlose Frau wurde dann mit Kabelbindern gefesselt. Die Männer durchsuchten die Räume nach Geld und Schmuck. Doch da läutete ein Paketbote und die Räuber flüchteten. Das Trio flüchtete mit einem geringen Geldbetrag über die Terrassentür. In einer polizeilichen Einvernahme hatte die Seniorin von "Todesangst" gesprochen.

Bei der folgenden Großfahndung stießen Beamte auf zwei Verdächtige. Ein 59-jähriger Kosovare eröffnete ohne zu zögern das Feuer auf die Polizisten, gab erst nach einem Schuss aus einer Dienstwaffe auf.

Der Killer, der bereits wegen des Mordes an einem Security in der Schweiz 18 Jahre hinter Gittern saß, wurde ebenso wie ein 56-jähriger Albaner festgenommen und ein versteckter Fluchtwagen entdeckt. Der dritte Verdächtige, ein 50-jähriger Kosovare, wurde später im nahen Aschbach geschnappt.

Tasche aufgetaucht

Die drei Männer im Alter von 50 bis 59 Jahren bekannten sich am Mittwoch weiterhin zum Vorwurf des bewaffneten Raubes nicht schuldig. Sie sprachen laut Dolmetscherin von einem Einbruchsdiebstahl. Gefunden wurde inzwischen eine Tasche, die ein Angeklagter am Tattag dabeihatte und die neben Einbruchswerkzeug u. a. Klebeband enthielt. Auch der Mordversuch wurde vom 59-Jährigen bestritten.

Staatsanwalt forderte harte Strafen

Der Staatsanwalt betonte im Schlussvortrag, es handle sich nicht um eine spontane, sondern eine "geplante, arbeitsteilige, rücksichtslose" Tat und einen "Fall der Schwerstkriminalität". "Die wollten 1,5 Millionen Euro erbeuten. Da mache ich keine halben Sachen", betonte er. Die Flucht sei "letztlich eskaliert", "es war kein Kurzschluss aus Panik, es waren gezielte Schussabgaben auf zwei Polizeibeamte". Die Frau leide noch immer unter den Folgen der Tat, "das ist nicht verzeihbar", sagte der Staatsanwalt und ersuchte um strenge Strafen.

Das sagt Verteidigerseite

Die Angeklagten hätten einen Einbruch geplant, hieß es dagegen vonseiten der Verteidiger. "Die Gewaltanwendung war geringfügig", es habe keinerlei Verletzung gegeben, sagte Rechtsanwalt Rudolf Mayer, der den 50-Jährigen vertritt. Sein Mandant habe keine Waffe gehabt, erklärte der Jurist. Der Verteidiger des 59-Jährigen ortete keinen Mordvorsatz und verwies auf den Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten". "Für einen Mordversuch fehlt jegliches Tatsachensubstrat", so der Jurist. Die Angeklagten seien "stümperhaft vorgegangen", sagte der Rechtsvertreter des 56-Jährigen. Das Brecheisen seines Mandanten sei für einen Einbruch und nicht zur Gewaltanwendung gedacht gewesen.

"Die Schussabgaben waren beinhart", es sei um Leben und Tod gegangen, betonte eine Privatbeteiligtenvertreterin. Auf der Flucht soll der 59-Jährige den Polizisten nahe einer Böschung knieend aufgelauert und aus zwölf Metern Distanz auf zwei Beamte geschossen haben. "Es war richtig knapp", hatte einer der Uniformierten als Zeuge berichtet. Laut einem Gutachter bestand "unmittelbare Lebensgefahr". Der Angeklagte sprach hingegen von Schüssen in die Luft. Die Polizisten wurden nicht verletzt, der Verdächtige ließ sich festnehmen. In der Folge wurden auch seine mutmaßlichen Komplizen gefasst.

Noch am Mittwochvormittag zogen sich beim Prozess am Landesgericht St. Pölten die Geschworenen zur Beratung zurück.

Drei Schuldsprüche

Alle drei Angeklagten wurden schließlich wegen versuchten Raubes verurteilt. Zwei der Beschuldigten erhielten rechtskräftig je vier Jahre Freiheitsstrafe. Der 59-Jährige, der bereits wegen eines vollendeten Mordes vorbestraft ist, wurde auch wegen zweifachen Mordversuchs schuldig gesprochen. Er wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Die Geschworenen entschieden jeweils einstimmig. Den beiden Polizisten wurden je 5.000 Euro zugesprochen.

Der Rechtsvertreter des 59-Jährigen meldete Berufung wegen der Strafhöhe an, daher ist dieses Urteil nicht rechtskräftig. Der Staatsanwalt, die anderen beiden Verteidiger und die Privatbeteiligtenvertreterinnen verzichteten auf Rechtsmittel.

{title && {title} } wes, {title && {title} } Akt. 12.08.2026, 15:00, 12.08.2026, 14:47