Der Fall rund um einen Schweinemastbetrieb im Bezirk Amstetten sorgt weiter für Aufsehen. Nachdem dort Mitte Juli rund 400 verendete und teilweise bereits verweste Schweine entdeckt worden waren, werden nun neue Details zur Vorgeschichte des Betriebs bekannt. Bereits im Vorjahr waren dort 150 Schweine ums Leben gekommen.
Landesveterinärdirektorin Christina Riedl bestätigte gegenüber "NÖ heute", dass die Tiere damals aufgrund eines Lüftungsausfalls erstickten. Ein technisches Gebrechen könne auch in einem ordnungsgemäß geführten Betrieb vorkommen, erklärte sie. Kommuniziert wurden die neuen Details um den Hof dennoch nicht.
Der Vorfall war den Behörden bekannt. In solchen Fällen müsse der Betreiber den Ausfall melden. Anschließend werde kontrolliert, ob die Lüftung wieder funktioniere und welche Maßnahmen gesetzt wurden, um eine Wiederholung zu verhindern.
Aus dem Büro der für Tierschutz zuständigen Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) hieß es zudem, der Betrieb sei bis Dezember 2025 regelmäßig kontrolliert worden.
Riedl betonte gleichzeitig die Verantwortung der Tierhalter. Wer merke, dass er mit der Situation nicht mehr zurechtkomme, müsse sich rechtzeitig Unterstützung holen.
Das ganze Ausmaß des aktuellen Falls war am Dienstag bekannt geworden. Mitte Juli hatten sich Nachbarn wegen Verwesungsgeruchs beschwert. Bei der anschließenden Kontrolle wurden rund 400 tote beziehungsweise teilweise bereits verweste Schweine entdeckt.
Bei den Ermittlungen wurde außerdem ein Fehlbestand von rund 1.000 Tieren festgestellt. Es besteht der Verdacht, dass die Schweine sich gegenseitig aufgefressen haben könnten. Der Betrieb wurde geschlossen.
Der Hofbesitzer wird wegen Tierquälerei angezeigt, der Betrieb behördlich geschlossen. Ein Tierhalteverbot werde geprüft.
In Niederösterreich werden laut Landesveterinärdirektion jährlich rund 6.000 Kontrollen in landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt. Wie oft ein Betrieb überprüft wird, richtet sich unter anderem nach seiner Größe, der Zahl der gehaltenen Tierarten und früheren Auffälligkeiten. Bei konkreten Verdachtsmomenten sind zusätzliche Kontrollen vorgesehen.
Auch die Landwirtschaftskammer bezeichnete die bekannt gewordenen Zustände als "absolut inakzeptabel". Der Fall sei Gegenstand laufender behördlicher Ermittlungen. Gleichzeitig betonte die Kammer, dass die Zustände nicht repräsentativ für die übrigen schweinehaltenden Betriebe seien.
Der Verein gegen Tierfabriken lädt indes zu Mahnwache für die verhungerten Schweine - und zwar am 13. August um 10 Uhr. Im Anschluss gibt es eine Demonstration vor der zuständige BH Amstetten, wurde informiert.